I am Love

Eisdiele und mehr

Wie schmeckt Spargel-Mandel-Eis, veganes Gurken-Eis oder Lavendel-Honig-Eis? In Bochum-Ehrenfeld sind die Menschen aus dem Viertel auf den Geschmack gekommen. Wer sich an einem heißen Sommertag eine Kugel gönnen möchte, steht dafür gerne auch mal Schlange. Kevin Kuhn sitzt im Schneidersitz auf einem der gemütlichen Sessel in seinem Laden, isst Lavendelkuchen und trinkt dazu eine leuchtend grüne Apfelsaftschorle mit Gerstengras. Der 33-Jährige ist Gründer und Inhaber der ungewöhnlichen Eisdiele mit dem Namen I’m Love. Angefangen hat alles vor vier Jahren mit einer vagen Idee. „Ich hatte hier im Viertel eine Eventagentur. In jenem Sommer saßen wir im Büro und haben uns geärgert, dass es keine Eisdiele in der Gegend gibt“, erzählt er. Die Idee entwickelte sich weiter. Einen Begegnungsort wollte Kuhn schaffen, einen Ort, an dem sich Menschen ausprobieren können, wo ein positives Lebensgefühl transportiert wird. Dass der Laden heute mehr ist als eine Eisdiele, ging auf viele Gespräche zurück — nicht zuletzt auch mit den Kundenberatern der GLS Bank.

Nachdem der Entschluss gefasst worden war, die Räumlichkeiten gefunden waren und die Renovierungsarbeiten begonnen hatten, wurde rasch klar, dass das vorhandene Kapital für den Umbau und die Erstausstattung nicht reichen würde. „Wir haben ganz spontan bei der GLS Bank angerufen und nach einem Kredit gefragt“, erzählt der Existenzgründer lachend. „Ich war da etwas naiv und bin davon ausgegangen, dass drei Sätze über unsere Geschäftsidee reichen würden.“

Tatsächlich geht es in einem ersten Gespräch zunächst um das Vorhaben des Anfragenden. „Wir möchten wissen, was genau geplant ist“, berichtet René Albin. Er gehört zu einem Team, das Kredite bis 100.000 Euro vergibt und dabei auch auf Existenzgründungen spezialisiert ist. „Wenn nicht deutlich wird, ob das Unternehmen zu unseren inhaltlichen Kriterien passt, fragen wir nach. Das möchten wir im Detail wissen. Aussagen wie ‚Ich habe vor, dass es möglichst ökologisch ist oder dass ein gewisser Anteil fairtrade ausmacht.‘ reichen uns nicht.“

Die Zutaten von Kevin Kuhns Eis haben überwiegend Bioqualität, manche sind von Demeter. Die Grundzutaten wie Milch, Sahne oder Frischkäse sind zu 100 Prozent bio, ebenso wie Bananen, Gurken oder Fruchtsäfte. Das Mangomus kommt aus Indien in Demeter-Qualität. Bei Zutaten wie Erdbeeren oder Himbeeren in Bioqualität müsste er den Preis für das Eis so ansetzen, dass er es nicht mehr verkaufen könnte, so Kuhn. Daher gibt es auch Sorten, die noch nicht 100 Prozent bio sind.

Die Unternehmensidee fanden die Kundenberater gut und fragten nach einem Businessplan. Für Kuhn, der seinen ersten Kredit überhaupt aufnahm, ein Novum. Für die Erstellung holte er sich Unterstützung von einem Berater für Existenzgründer. Vor allem der dreijährige Rentabilitätsplan, die Angaben von geplanten Umsätzen und Absatzvolumina machten Kuhn Sorgen. Wie alles richtig machen ohne Erfahrung und Bezugsgrößen? „Hinsichtlich der Planungszahlen hat mir der GLS Berater sehr geholfen und mir Sicherheit gegeben.“ Anhand der Zahlen wurde schnell klar, dass die Räumlichkeiten zu groß sind, um sie im Winter nur durch den Eisverkauf auslasten zu können. „Eisdielen sind immer Saisongeschäfte. Deswegen hat sich Kevin Kuhn aufgrund unserer Gespräche dafür entschieden, in seinen Räumen auch Veranstaltungen zu machen. Konzerte, Vorlesungen, DJ- und Cocktailabende. All das ist in die Beratung mit eingeflossen“, so René Albin. Dieses Konzept lag Kuhn ohnehin im Blut — er hatte aus seinen vorherigen Tätigkeiten Erfahrung und verfügt über das entsprechende Netzwerk.

Hin und wieder erhalten Albin und seine Kolleginnen und Kollegen Kreditanfragen mit spannenden sozial oder ökologisch ausgerichteten Projektvorhaben, die aber wirtschaftlich nicht tragfähig sind. Dann raten die Berater den Anfragenden auch mal von ihrem Vorhaben ab — auch im Sinne der Anfragenden selbst. „Wir schauen immer auf die Menschen“, erklärt der GLS Mitarbeiter. „Einerseits prüfen wir, ob bereits Erfahrung auf dem Gebiet gesammelt wurde, ob also eine gewisse Branchenneigung oder kaufmännische Erfahrung da ist. Andererseits verlassen wir uns auf unsere Menschenkenntnis.

Der Mensch muss zum Vorhaben passen. Wenn ich z. B. ein Geschäft mit viel Kundenkontakt eröffnen möchte, ist es vorteilhaft, kontaktfreudig zu sein.“ Wenn die Geschäftsausrichtung mit den Kriterien der GLS Bank übereinstimmt, der Business Plan plausibel ist und die Berater den Verantwortlichen ihren Plan zutrauen, werden die Laufzeit und Ratenhöhe abgesprochen und je nach Eigenkapitalausstattung in Einklang mit den Finanzierungsmöglichkeiten der Bank gebracht. Im Existenzgründungsbereich liegt die Laufzeit in der Regel zwischen drei und fünf Jahren. Anschließend wird vom Kreditbetreuer intern ein Votum geschrieben, woraufhin die Vertragsunterlagen erstellt werden.

Bei Kevin Kuhn und seiner Eisdiele passte alles zusammen. Er erhielt einen Kredit und konnte seinen Umbau zu Ende führen. In der Einrichtung spiegelt sich heute das Prinzip des Upcyclings wider, das heißt, Kuhn arbeite mit vielen gebrauchten Möbeln wie dem Fußboden, der aus einer Tanzschule stammt, oder Tischen, an denen vormals Jugendgruppen im regionalen Kunstmuseum kreativ gearbeitet haben. „In diesen Dingen steckt eine Seele, sie erzählen Geschichten“, so Kuhn.

Das Unternehmen läuft gut. Inzwischen umfasst das Team 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Laden ist inzwischen viel mehr als nur eine Eisdiele. Monatlich finden mehrere Konzerte statt, Hochzeits- und Geburtstagsgesellschaften mieten sich ein und Kevin Kuhn bietet selbst seit Kurzem Yoga-Kurse an. Auch der kleine Platz vor dem Laden ist nun belebt und zum beliebten Treffpunkt geworden. Eine kleinere Filiale in einer anderen Stadt im Ruhrgebiet ist zumindest angedacht und die drei mobilen Eiswagen, mit denen Kuhn im Sommer auf Hochzeiten und anderen Veranstaltungen Eis verkauft, sind ausgebucht. Mit einem vierten Eiswagen konnte bereits der erste Franchise-Nehmer gewonnen werden. Wenn Kuhn zurückblickt, ist er dankbar für den Erfolg, das Glück, das er auf seinem Weg gehabt hat, und vor allen für die Unterstützung der Menschen in seinem Umfeld. „Ich habe viel gelernt — auch über mich selbst.“

Website I am Love

Autorin: Eva Schneeweiß-Ebinger

Stand: Oktober 2015

Fotos: Rouven Kasten