Wasserkraftwerk Woellm

Sprung ins kalte Wasser

Wasserkraftwerkbetreiber ist ein Beruf, den man nicht erlernen kann. Trotzdem haben Ruth und Martin Woellm den Gang ins Ungewisse gewagt. „Weil es das letzte Abenteuer Deutschlands ist“, erzählt die Mecklenburgerin und lacht. Nur durch einen Zufall erfuhren die beiden vor rund 15 Jahren von zwei Wasserkraftwerk en, die an der Müritz-Elde-Wasserstraße zum Verkauf standen, und kauften beide. Dazu gehörte eine große Portion Mut. Das Kraftwerk Lewitzschleuse befand sich damals in einem sehr maroden Zustand und das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Einspeisevergütung gab es noch nicht. Seit das Werk 1956 ans Netz ging, war es nahezu durchgängig in Betrieb.

Das Ehepaar Woellm modernisierte die alte Anlage und betrieb sie in dieser Form bis Anfang 2013. Die Regelung der Wasserstraße und niedrige Pegelstände wurden dann jedoch zur Herausforderung: „Wir dürfen nur das Überschusswasser nehmen“, berichtet Ruth Woellm. „Den Vorrang haben die Sportbootfahrer, die die Schleusen heute individuell bedienen können. So fließt sehr viel Wasser unnötig und wir haben weniger Wasser zur Verfügung.“ Da aber die große Turbine des Kraftwerks bei zu geringen Wassermengen stillstand, entschloss sich das Betreiberehepaar zum Einbau einer leistungsoptimierten Turbine. Seit Dezember 2013 läuft das Wasserwerk nun wieder mit neuer Kraft und wird jährlich mit erwarteten 1,2 Millionen Kilowattstunden fast das Doppelte an Strom produzieren.

„Wasserkraft gibt es schon seit 2000 Jahren. Das zu erhalten, treibt uns an. Es begeistert uns einfach, aus Wasser, das ohnehin da ist und fließt, CO2-neutral Energie zu erzeugen“, berichtet die Energiewirtin stolz. „Eine Kilowattstunde, die wir hier erzeugen, ist eine Kilowattstunde weniger Atomstrom. Das ist toll!“.