09.10.2026

28 Unternehmen appellieren: „Klimaschutz ist Standortpolitik“

Bündnis drängt Bundesregierung zum Handeln: Sommer 2026 war kein Wetterereignis, sondern ein Betriebsrisiko

28 Unternehmen, darunter auch die GLS Bank, fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen Appell zu Korrekturen in der Energie- und Klimapolitik auf. Anlass der Initiative ist der zurückliegende Hitze- und Dürresommer, der Erträge gemindert, Arbeitsabläufe verlangsamt und die Leistung technischer Anlagen gedrosselt hat. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kostete er zudem etwa 16.000 Menschen in Deutschland das Leben.

Zu den volkswirtschaftlichen Schäden kommen betriebliche:

  • deutliche Ernteeinbußen in der Landwirtschaft,
  • Transportprobleme durch Einschränkungen der Flussschifffahrt,
  • erschwerte Kühlung technischer Anlagen.

„Der Sommer 2026 war für viele Unternehmen, Arbeitgebende und Arbeitnehmende kein Wetterereignis, sondern ein Betriebsrisiko“, heißt es in dem Appell. Zu den Unterzeichnern gehören Unternehmen aus den Branchen Maschinenbau und produzierendes Gewerbe, Banken, Landwirtschaft, Ingenieur-, Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen sowie Energieversorger und Projektierer erneuerbarer Energien.

Vorsorge ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit

Florian Reyer von der Hofgemeinschaft Heggelbach betont, dass Wasser in diesem Sommer für die Landwirtschaft zur Kernfrage geworden ist. Er hat große Ertrags- und Qualitätsdefizite gesehen, großen Futtermangel, sogar Futternotstand. "Wer das einmal erlebt hat, versteht, warum Vorsorge keine politische Option ist, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit."

Im betrieblichen Alltag von Industrie und Gewerbe hat der Klimawandel Folgen. Katharina Beyer, Vorständin der Prokon Regenerative Energien eG, berichtet von gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Energiegenossenschaft musste zusätzliche Hitze-Schutzmaßnahmen für ihre Beschäftigten treffen und Arbeitsabläufe anpassen. "Wer über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen spricht, muss deshalb auch über Klimaschutz und Klimaanpassung sprechen.“

Mehr Entschlossenheit als Reaktion auf die extreme Hitze in Deutschland fordert Alexander Sladek, Vorstand EWS Schönau eG. "Wer heute zögert, verschiebt die Kosten auf morgen, auf unsere Betriebe und auf die nächste Generation. Als Genossenschaft wissen wir aus Erfahrung: Wo eine Gemeinschaft entschlossen handelt, bewegt sich etwas."

Verlässlichkeit politischer Rahmenbedingungen fehlt

Die Unternehmen, die in Deutschland produzieren, versorgen, beschäftigen und investieren, kritisieren vor allem die fehlende Verlässlichkeit politischer Rahmenbedingungen. Zentrale Instrumente einer auf Emissionsreduktionen ausgerichteten innovativen Wirtschaftspolitik sind abgeschwächt worden. Darauf weist die GLS Bank hin: „Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds sollen ab 2027 in den Kernhaushalt fließen, der CO2-Preispfad für 2027 soll abgeschwächt bzw. eingefroren werden, die EEG-Novelle und das Netzpaket bringen neue Vorbehalte beim Netzanschluss Erneuerbarer Energien." Für Unternehmen, die mit Laufzeiten von zehn Jahren und mehr planen, entzieht das den Kalkulationen die Grundlage. Die Folgen reichen bis in die Finanzierung. "Weil Banken Klimarisiken im Rating berücksichtigen müssen, schlägt politische Unsicherheit unmittelbar auf den Zugang zu Kapital durch.“

Alrun Ohrmann, Geschäftsführende Gesellschafterin der OHRMANN GmbH, sagt: „Wer den Industriestandort Deutschland stärken will, muss Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen geben und eine Richtung, die nicht mit politischen Mehrheiten wechselt. Klimapolitik ist wirtschaftliche Zukunftssicherung. Deshalb gehört sie als Gemeinschaftsaufgabe verbindlich ins Grundgesetz."

Vier Forderungen, die maßgeblich sind für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Zum Hitzesommer 2026 meldet sich nun – nach Organisationen, Kommunen und Verbänden – die Wirtschaft zu Wort. Die Unternehmen spüren die Folgen des Klimawandels im Alltag. Sie wollen in den Umbau zu einer klimafesten Wirtschaft investieren. Daher stellen sie vier Forderungen an die Bundesregierung, die für den Wirtschaftsstandort Deutschland maßgeblich sind:

  1. Halten Sie den CO2-Preis verlässlich und ambitioniert.
  2. Setzen Sie die Mittel des Klima- und Transformationsfonds investiv ein.
  3. Unterstützen Sie den Ausbau der Erneuerbaren nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis.
  4. Verankern Sie Klimaschutz, Klimaanpassung und Naturschutz im Grundgesetz.

Im Appell (PDF-Dokument) heißt es abschließend: „Wir bitten Sie, diese vier Punkte in den laufenden Beratungen zum Haushalt 2027 und den energiepolitischen Neuregelungen zu berücksichtigen. Diese Beschlüsse entscheiden in den kommenden Wochen darüber, ob Investitionen in Klimaschutz und Vorsorge in diesem Land planbar bleiben.“

Weitere Unternehmen sind eingeladen, sich an dem Appell zu beteiligen und ihn ebenfalls zu unterzeichnen. Mehr Infos dazu auf ews.jetzt/appell.

Zur Pressemitteilung zum Appell