Stellungnahme // Kontokündigungen
Stellungnahme der GLS Bank zum offenen Brief der Initiative “Debanking stoppen”
Den offenen Brief der Initiative "Debanking stoppen" nehmen wir mit großem Respekt für das Engagement der Unterzeichner*innen zur Kenntnis. Die GLS Bank steht für genossenschaftliches und faires Banking, das auf klaren Werten beruht. Wir unterstützen ausdrücklich zivilgesellschaftliche Organisationen und gesellschaftliches Engagement.
Selbstverständlich sind wir als Bank gegen jedes "Debanking". Wir wollen finanzielle Souveränität ermöglichen und fördern.
Unter "Debanking" verstehen wir den gezielten, politisch motivierten Ausschluss einzelner demokratischer Organisationen aus dem Finanzsystem. Wir bedauern, dass einige Kontokündigungen so interpretiert worden sind. Das Verwehren einer Bankverbindung aus politischen Gründen für Menschen und Gruppen aus dem demokratischen Spektrum gehört nicht zur Kultur der GLS Bank.
Die GLS Bank führt den Dialog mit allen relevanten Akteur*innen fort. Dazu gehört auch die Initiative "Debanking stoppen". Die Bank wird ihren Vereinskunden und gemeinnützigen Organisationen der Zivilgesellschaft Workshops und Schulungsprogramme anbieten. Ziel ist es, sich gemeinsam auf die regulatorischen Anforderungen und Veränderungen im Bankwesen einstellen zu können.
Jede Kontokündigung ist eine Einzelfallentscheidung und beruht auf einer umfassenden Bewertung unterschiedlichster Rahmenbedingungen und Risiken. Es gehört zu unserer Verantwortung als Bank, den Schutz aller Mitglieder und Kund*innen sicherzustellen. Dabei müssen wir uns an die gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben im deutschen und europäischen Bankensystem sowie an international verbindliche Abkommen halten. Die Kündigung von Konten auf Grundlage von Einzelfallentscheidungen gehört zum verantwortungsvollen Bankgeschäft. Das hat nichts mit "Debanking" zu tun.
Wir überprüfen kontinuierlich Risiken und regulatorische Voraussetzungen. Diese Arbeit ist in den vergangenen 25 Jahren immer komplexer geworden. Dazu gehören erhöhte Sorgfaltspflichten, sobald eine Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Das bedeutet, dass die Mitarbeitenden der Bank Geschäfts- und Vereinsmodelle prüfen und die lückenlose Nachvollziehbarkeit aller Kontobewegungen gewährleisten müssen. Dabei müssen wir den Vorgaben der Finanzaufsicht (BaFin) folgen und alle regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Pflichten erfüllen.
Aysel Osmanoglu, Dirk Kannacher, Michael Ahlers und das Kommunikationsteam
Veröffentlichung: 07.01.2026
Stellungnahme vom 24. Dezember 2025
Liebe Kund*innen, liebe Mitglieder,
uns erreichen im Moment viele Anfragen. Wir waren und sind jederzeit für unsere Kund*innen ansprechbar. Wir stehen in einem konstruktiven Austausch mit den betroffenen Akteur*innen.
Unter Berücksichtigung des Datenschutzes nehmen wir keine Stellung zu individuellen Fällen. Aber zur Sache wollen wir uns äußern:
Als Bank unterliegen wir den Gesetzen. Wie alle Banken werden wir von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) beaufsichtigt. Die Dokumente, Rechte und Reglungen der BaFin sind öffentlich auf bafin.de zugänglich.
Wir als GLS Bank führen mehr als 11.000 Konten von sozialen, aktivistischen, caritativen Organisationen. Wir sind stolz darauf, so viele Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und demokratische Kräfte in Deutschland durch unsere Finanzdienstleistungen zu unterstützen. Um diese Konten zu halten und ihnen den vollen Bankservice zu bieten, betreiben wir einen sehr hohen Aufwand.
Aus unserer Sicht dürfen einzelne Risiken jedoch nicht das Ganze gefährden. Wir müssen im Interesse aller Kund*innen handeln.
Unsere Kund*innen tragen ihrerseits die Verantwortung dafür, was sie tun und müssen ihr Tun gegenüber ihrer Bank dokumentieren. Denn die dabei möglicherweise entstehenden Risiken tragen sowohl die Bank als auch einzelne Mitarbeiter*innen. So ist die Rechtslage.
Verfehlungen in diesem Zusammenhang ziehen erhebliche Bußgelder und weitere Sanktionen für die Bank nach sich. Deswegen entscheiden wir alles im Einzelfall und prüfen sorgfältig. Von tausenden Konten haben wir einige wenige gekündigt.
Uns ist bewusst, dass das für die betroffenen Organisationen ein sehr harter Einschnitt ist. Deswegen wägen wir solche Entscheidungen sehr lange und gründlich ab.
Spricht die GLS Bank Kündigungen aus, die politisch motiviert sind? Nein.
Wir teilen die Sorge unserer Gemeinschaft, dass sich Räume für die demokratische Zivilgesellschaft verengen. Organisationen und Vereine, die sich sowohl dem bürgerlichen als auch politisch linken Spektrum zuordnen, werden zunehmend angefeindet oder sabotiert.
Unserer Wahrnehmung nach stecken dahinter Strategien, die faschistische Gruppen untereinander austauschen. Sie vernetzen sich europaweit. Ihr Ziel ist, die freie und demokratische Gesellschaft durch einen autoritären Staat zu ersetzen. Auf der anderen Seite sehen wir in der Bevölkerung eine wachsende Bereitschaft, sich dagegenzustellen und eine andere Zukunft zu gestalten. Das macht uns Hoffnung.
Als Bank erleben wir in den vergangenen Jahren eine fortlaufende Verschärfung der regulatorischen Anforderungen seitens der BaFin.
Banken sind dazu verpflichtet, Kontobewegungen zu prüfen, um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Das gehört zum Tagesgeschäft. Das sind regulatorisch vorgegebene Prozesse für jede Bank.
Wie geht es weiter?
Kund*innen haben Sorge, dass sie demnächst selbst betroffen sein könnten. Hier bitten wir Euch, Euer Vertrauen zu behalten. Wir tun alles, um Konten weiterzuführen. Die GLS Bank steht seit ihrer Gründung für eine aktive Teilhabe an der Zivilgesellschaft. Wir wollen auch mit Euch gemeinsam nach Wegen suchen, wie wir das in der Zukunft sicherstellen können. Es ist leider nicht so einfach, wie manche es sich vorstellen. Ein Geschäfts- und Vereinskonto zu führen, ist komplexer als die Führung eines privaten Girokontos. Hier müssen sowohl die Bank als auch die Kontoinhaber*innen aktiv mitwirken.
Ihr sammelt Spenden und seid Euch unsicher wie Ihr damit verfahren sollt?
Auf unserer Website geben wir bereits allgemeine Auskunft zur Kontoführung bei Geschäftskonten, um Anforderungen transparent zu machen:
- Häufig gestellte Fragen - GLS Bank
- Geldwäsche & Terrorismus im Onlinebanking: Risiken & Prävention
- Regulatorik - GLS Bank
Ihr könnt uns bei Fragen immer kontaktieren. Wir prüfen Möglichkeiten, euch im neuen Jahr aktiv unterstützen zu können und werden zu dem Thema in den Austausch gehen.
Aufgrund der zahlreichen Anfragen können wir leider nicht auf jede Anfrage individuell eingehen. Wir aktualisieren diese Stellungnahme, sobald sich die Lage verändert.
Aysel Osmanoglu, Dirk Kannacher und das Kommunikationsteam
Update: 30.12.2025
Erstveröffentlichung: Bochum, den 24. Dezember 2025