
HateAid
Ein Interview mit Gründerin Anna-Lena von Hodenberg
Stand: Juni 2026
Vor acht Jahren haben Sie zusammen mit anderen HateAid ins Leben gerufen, um sich für Menschenrechte im digitalen Raum einzusetzen. Wie genau machen Sie das?
Zu uns kommen Menschen, die im Internet bedroht, diffamiert oder beleidigt werden. Unser Ziel ist, dass sie Gerechtigkeit erfahren. Wir unterstützen sie, damit sie nicht zum Schweigen gebracht werden, sondern sich weiter im digitalen Raum äußern. Das Internet verändert sich jeden Tag und damit auch die Gewalt, die Menschen dort passiert. Manchmal hat unser Recht darauf noch keine Antwort. Dann machen wir Vorschläge, wie man das Recht verändern könnte. Zum Beispiel haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Vergewaltigungsandrohung eine Straftat geworden ist. Und wir engagieren uns in Brüssel, damit die großen Plattformen reguliert werden.
Manche empfinden Regulierung als Einschränkung der Meinungsfreiheit. Sie sagen, Sie setzen sich für die Meinungsfreiheit ein.
Wenn man Menschen massiv angreift, sie mit Vergewaltigung oder Mord bedroht, wenn man Lügen über sie erzählt, sie verleumdet, ihre Familien angreift, dann führt das dazu, dass sie sich zu bestimmten Themen nicht mehr äußern. Journalist*innen berichten nicht mehr, Lokalpolitiker*innen legen ihr Amt nieder, Aktivist*innen beenden ihr Engagement. Das ist sehr beunruhigend, weil die demokratische Gesellschaft davon lebt, dass Menschen sich engagieren. Wir brauchen einen öffentlichen Raum, in dem alle Personen sich trauen, ohne Angst vor digitaler Gewalt ihre Meinung zu sagen.
Gegen wen richtet sich digitale Gewalt vor allem?
Gegen Menschen, die sich zu bestimmten Themen äußern: Feminismus, Rassismus, Klimaschutz, Migration. Dazu kommen saisonale Themen. Während der Corona-Pandemie haben zum Beispiel viele Ärzt*innen Hass abbekommen. Und wenn Sie eine Frau sind, können Sie sich sicher sein, dass Sie sexualisierte digitale Gewalt erfahren. Das war von Anfang an ein ganz großes Thema bei uns und ist gerade wieder sehr aktuell mit dem Fall von Collien Fernandes.
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© Fotos: Ben Böhm, Andrea-Heinsohn
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