
Mission to Marsh
Mit Moorschutz Klima retten und Arten und unser Grundwasser schützen.
Stand: Januar 2025
Auf drei heben vier Gummistiefel vom Boden ab. Ein Sprung in Richtung Himmel, dann landen Ann-Christin und Alexander Kornelsen wieder auf der Erde. Wie ein Wasserbett bewegt sich der Boden unter ihren Füßen. Noch einmal springen sie hoch, kommen wieder gemeinsam unten an, lachen. Ihre kleine sportliche Demonstration soll zeigen: Das hier ist keine normale Wiese. Dieses wilde Grün ist etwas Besonderes. Ein Moor, mit Wasser vollgesogen wie ein Schwamm. Dass der Boden im Venner Moor bei Osnabrück schwankt, ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass die Wiedervernässung des ehemaligen Feuchtgebietes vorangeht. Einst entwässert, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen und Torf zu stechen, steigt heute der Pegel im Venner Moor. Die Entwässerungsgräben sind verschlossen, Regenwasser kann sich stauen. In den Senken neben dem Wanderweg haben sich Wasserflächen gebildet. Das grasgrüne Torfmoos – fähig, das 30-fache seines Gewichts an Wasser zu speichern – wächst wieder. Langsam, Millimeter für Millimeter, baut sich der Torf auf, aus Pflanzenteilen, die unter Wasser nicht verrotten.
Rettung der Moore als Lebensaufgabe
In die Renaturierung des Venner Moors haben die Moorforscherin Ann-Christin Kornelsen und ihr Mann, Podcaster und Marketingexperte Alexander Kornelsen, bereits 100.000 Euro investiert. Seit der Gründung ihres gemeinnützigen Startups Mission to Marsh, ein GLS Kunde, sammelt das Paar Spenden für den Moorschutz – unter anderem durch Crowdfunding-Aktionen, Unternehmenspartnerschaften und Projektförderungen. Ann-Christin und Alexander kündigten ihre Festanstellungen – „unsere Eltern fanden das gar nicht cool“, sagt Alexander – und brachen Ende 2022 in einem kleinen Jeep mit Dachzelt zu einer neunmonatigen Expedition auf. Über ihre Reise zu den größten und ältesten Mooren zwischen Kanada und Argentinien haben sie einen 75-minütigen, sehr persönlichen Dokumentarfilm gedreht. Die Rettung von Mooren ist nicht nur ihr Beruf, sondern ihre Lebensaufgabe. Eine immens große, immens wichtige Aufgabe. 95 Prozent der deutschen Moore liegen auf dem Trockenen, und auch weltweit sind die „Wetlands“ massiv bedroht. Lange hat der Mensch das Moor in Ruhe gelassen – zu schwer begehbar, zu düster und geheimnisumwoben. Doch seit dem 18. Jahrhundert wurden Feuchtgebiete nahezu überall auf der Welt großflächig entwässert. Sie mussten der Land- und Forstwirtschaft weichen, neuen Siedlungen oder Straßen. Auch heute noch werden sie intensiv landwirtschaftlich bewirtschaftet, wird Torf als Rohstoff für Gartenerde gestochen, werden Tropenwälder oder Mangrovensümpfe trockengelegt. Bis sie nach Kanada kam, hatte Ann-Christin Kornelsen noch nie ein Moor in seinem Ursprungszustand gesehen.
Moore binden mehr CO2 als Wälder
Für das Klima haben trockene Moore fatale Folgen. In nassem Zustand speichern sie mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt. Werden sie jedoch entwässert, kommt der über Jahrtausende sicher in den Tiefen des Torfs gebundene Kohlenstoff mit Sauerstoff in Berührung und oxidiert. Dadurch gelangen riesige Mengen der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas in die Atmosphäre. In Deutschland verursachen entwässerte Moorflächen rund 7 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes. Moore bedecken zwar nur 3 Prozent der weltweiten Landfläche – sie binden aber etwa doppelt so viel Kohlendioxid wie die Biomasse aller Wälder der Erde zusammen. Verschärfend kommt hinzu, dass Wälder diese Aufgabe kaum mehr erfüllen können – im Gegenteil, in Deutschland stoßen sie inzwischen mehr Kohlendioxid aus, als sie speichern, das zeigt die jüngste Bundeswaldinventur vom Oktober 2024.
Lies mehr über die Arbeit von Mission to Marsh im GLS Bank Magazin.
Alle Fotos: Achim Multhaupt