
DAV Sektion Stützpunkt Inntal
Inklusive Kletterhalle: gemeinsam nach oben
Im oberbayrischen Bad Aibling schaffen es Menschen nach ganz oben, denen anderswo oft Barrieren im Weg stehen. In Deutschlands einziger inklusiver Kletterhalle üben Sportbegeisterte mit und ohne Beeinträchtigung das Klettern. Gebaut hat die Halle der Verein DAV-Sektion Stützpunkt Inntal. Inzwischen kommen jährlich zwischen 40.000 und 50.000 Besucher*innen ins „Basislager Bad Aibling“. Die Mitglieder von 17 inklusiven Klettergruppen trainieren dort einmal pro Woche. Deren Altersspanne reicht von fünf bis 75 Jahren.
„Dann bauen wir eben unsere eigene Halle“
Was heute so vielen Menschen Raum zum gemeinsamen Überwinden von Hindernissen bietet, hat seinen Ursprung in kleinen therapeutischen Klettergruppen. Die Ergotherapeutin Natascha Haug begann vor mehr als 20 Jahren damit, Kinder mit Beeinträchtigung an der Kletterwand zu begleiten, darunter Jungen und Mädchen mit Autismus oder Down-Syndrom. Der Bedarf wuchs schnell, doch in den Kletterhallen der Region, in die sie sich einmietete, stießen die Teilnehmenden oft auf Barrieren – mal in Form von Treppen, mal in Form von Vorurteilen. „Da haben wir uns gedacht, wir bauen unsere eigene Halle“, erzählt Natascha Haug.
Planung und Bau verzögern sich, die Kosten steigen
Gedauert habe dann die Erschließung des Grundstücks; Corona und der Krieg in der Ukraine hätten Planung und Bau weiter verzögert. Die ursprüngliche Finanzierung sah 75 Prozent Fördermittel vor. Doch dann stiegen die Kosten. Der Deutsche Alpenverein e. V. (DAV) und die GLS Bank sprangen ein. Der Freistaat Bayern erhöhte seine Förderung. Ende 2022 konnte die Halle dann endlich eröffnen.
Die Halle bietet viel Raum – auch zum Rückzug
Entstanden ist eine Sporteinrichtung, die nur auf den ersten Blick aussieht wie andere Kletterhallen. Achim Haug zählt auf, was das Basislager neben der Barrierefreiheit noch ausmacht: „Die Abstände zwischen den Routen sind bei uns größer. Der Kursbereich ist räumlich von der großen Kletterhalle getrennt, damit die inklusiven Kurse in Ruhe abgehalten werden können. Wir haben auch Rückzugsräume für Menschen mit Epilepsie oder Autismus.“
Die Probe aufs Exempel machten direkt nach der Eröffnung zwei Mitglieder des österreichischen Nationalkaders im Paraclimbing: der querschnittsgelähmte Angelino Zeller und Linda Le Bon, die mit einer starken Sehbeeinträchtigung klettert. Zwei Tage prüften sie die Halle auf Barrierefreiheit. „Die beiden waren absolut begeistert“, sagt Achim Haug. „Den Hinweis, dass für Menschen mit Sehbehinderung die erste und die letzte Stufe einer Treppe gekennzeichnet werden sollten, haben wir direkt aufgegriffen. Den für blinde und sehbeeinträchtige Menschen wichtigen taktilen Grundrissplan im Eingangsbereich rüsten wir so bald wie möglich nach.“
Inklusion im Klettersport bundesweit vorantreiben
Seit 2020 ist der Stützpunkt Inntal eine Sektion des DAV. „Wir wollen die Inklusion im Kletter- und Bergsport bundesweit vorantreiben“, sagt Achim Haug. Neue Kletterhallen würden kaum gebaut, es gehe vor allem um Umbauten. Viele Betreiber*innen würden sich im Basislager Bad Aibling darüber informieren, wie sie ihre Hallen barriereärmer gestalten können.
Zur Inklusion gehört für die Initiator*innen auch, Mitarbeitende mit Beeinträchtigung zu beschäftigen. Einer von ihnen ist Konstantin Schnell. Der 20-Jährige hat Autismus und Mukoviszidose. Schon als Kind war er in einem Kurs von Natascha Haug dabei. Heute hilft er als Trainer anderen auf ihrem Weg nach ganz oben.
Foto: DAV, Archiv Basislager
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