GLS Bank bei Schiffstaufe der Humanity 2
Die Humanity 2 trägt ihren Auftrag im Namen: Menschlichkeit. Die zivile Seenotrettungsorganisation SOS Humanity taufte ihr zweites Schiff heute in Licata, Sizilien. Mit dabei eine Vertreterin der GLS Bank, die das Schiff mitfinanziert hat. Das neue Schiff wird Menschen im zentralen Mittelmeer retten, die auf ihrer gefährlichen Flucht in Seenot geraten sind. SOS Humanity übernimmt damit eine Aufgabe, bei der die Verantwortlichen in der Politik versagen.
Nach internationalem Seerecht sind alle Küstenstaaten verpflichtet, in ihrem Seegebiet die Rettung Schiffbrüchiger durch geeignete Mittel sicherzustellen. Menschen auf See vor dem Ertrinken zu retten, ist eine Verpflichtung für alle Schiffe und Besatzungen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Fast 2.000 geflüchtete Menschen sind laut UNO-Flüchtlingshilfe e.V. im vergangenen Jahr im Mittelmeer ertrunken oder werden vermisst. Nicht zuletzt, weil nicht genügend getan wurde, um sie zu retten. Seit 2014 die italienische Operation Mare Nostrum eingestellt wurde, gibt es zum Beispiel im zentralen Mittelmeer kein staatliches Such- und Rettungsprogramm mehr.
Als GLS Bank sind wir nicht an Bord. Mit der Finanzierung eines Rettungsschiffes unterstützen wir aber die lebensrettende Arbeit von SOS Humanity. Denn Geld ist für uns ein gesellschaftliches Gestaltungsmittel. Wir setzen es da ein, wo es Positives bewirkt.
Für Juliane Müller, Branchenleitung Nachhaltige Wirtschaft der GLS Bank, steht fest: “An erster Stelle steht für uns die gesellschaftliche Verantwortung. Fundamentale Menschenrechte müssen gewahrt werden. Kein Mensch darf sterben, weil Europa in der Geflüchteten-Frage auf Abschottung setzt. Das ist für mich und für die GLS Bank indiskutabel.”
Hintergrund Migration und Asylpolitik
Der Mangel an staatlichen Maßnahmen zur Seenotrettung im Mittelmeer hängt auch mit der europäischen Asylpolitik zusammen. Im Juni 2026 trat das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) in Kraft. Es soll Asylverfahren beschleunigen, die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten stärken und Rückführungen effizienter gestalten.
GEAS markiert einen grundlegenden Wandel in der politischen Debatte über Flucht und Migration. Von der Gewährung von Schutz hat sich der Fokus vieler europäischer Regierungen in den vergangenen Jahren zunehmend hin zu Steuerung und Begrenzung von Migration verschoben. Asyl wird heute häufig nicht mehr primär als individueller Rechtsanspruch gesehen, sondern als Teil einer umfassenden Migrationspolitik. Asylverfahren an den Außengrenzen, Rückführungsabkommen und die Einrichtung von Rückführungszentren außerhalb der EU stehen für diese Entwicklung.
Menschenrechtsorganisationen, Kirchen, Flüchtlingsinitiativen und zahlreiche Jurist*innen beobachten diese Veränderungen mit Sorge. Sie warnen davor, dass grundlegende menschenrechtliche Standards und internationale Schutzverpflichtungen unter politischen Druck geraten könnten.
Gleichzeitig scheinen wir uns an Bilder und Berichte über humanitäre Notlagen an Europas Grenzen zu “gewöhnen”. Unabhängigen Medien, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Seenotrettungsinitiativen haben hier eine wichtige Rolle. Sie dokumentieren Entwicklungen vor Ort, machen mögliche Rechtsverletzungen sichtbar und machen die Folgen politischer Entscheidungen sichtbar.
Die Frage bleibt: Wie kann Europa Migration steuern, ohne seine humanitären und rechtlichen Grundprinzipien aufzugeben?
Foto: Jasmin Rossi / SOS Humanity
Erfahrt mehr im Interview mit Geschäftsführerin Nina Geisler