18.06.2026

EU lockert Regeln für neue Gentechnik – GLS Bank bleibt bei bio

Das EU-Parlament hat beschlossen, dass die bisher geltenden strengen Gentechnik-Regeln für Neue Genomische Techniken (NGT) nicht in vollem Umfang gelten sollen. Lebensmittel und Produkte, die mithilfe von NGT hergestellt werden, müssen nicht mehr als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Ebenso entfallen umfangreiche Prüfungen zu Umweltrisiken. Für NGT-Saatgut besteht weiterhin die Pflicht, dieses als gentechnisch verändert zu kennzeichnen. Für die neue EU-Verordnung gilt eine Übergangsfrist von zwei Jahren. 

Was bedeutet das für Verbraucher*innen?

Wer einkauft, kann voraussichtlich ab Mitte 2028 nicht mehr feststellen, ob im gekauften Getreide, Gemüse, Obst NGT zum Einsatz kamen. Denn die meisten NGT-Pflanzen und daraus hergestellte Lebensmittel dürfen dann auf den Markt, ohne dass sie geprüft, zugelassen und gekennzeichnet werden müssen. Nur noch Lebensmittel, in denen stark gentechnisch veränderte Pflanzen verarbeitet werden, sind dann noch gekennzeichnet.

Was heißt das für die Landwirtschaft?

Nach dem neuen Gesetz können NGT-Sorten auf Feldern angebaut werden, ohne dass das kenntlich gemacht werden muss. Durch Wind können sie unbeabsichtigt auf Flächen geweht werden, auf denen sie nicht angebaut werden sollen, zum Beispiel auf ökologisch bewirtschaftete Äcker. Das schafft Probleme für Biobäuer*innen. 

Die Biobranche selbst baut weiterhin ohne Gentechnik an. Dazu gehören auch umfangreiche Maßnahmen, Gentechnikfreiheit in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sicherzustellen, außerdem die ökologische Saatgutzüchtung.

Im Unterschied zu herkömmlichem Saatgut können NGT Sorten patentiert werden. Dadurch wächst der Einfluss großer Agrarkonzerne auf die Landwirtschaft weiter, ebenso die Gefahr, dass natürlich vorkommende Gensequenzen wegen eines Patents nicht mehr frei verwendet werden können. Eine bekannte NGT Methode ist die sogenannte Genschere CRISPR-CAS, bei der Teile des Genoms herausgeschnitten und/oder an anderer Stelle eingefügt werden. 

Was sagt die GLS Bank zu der Entscheidung?

“Ich halte die Entscheidung für falsch. Wir lehnen Gentechnik weiterhin ab. Bio bleibt sich treu und arbeitet weiter ohne Gentechnik  und ohne NGT. Die Saatgut-Förderprojekte der ZSL wird Züchtungsforschung ohne Gentechnik und Patente vorangetrieben”, erklärt Katrin Heuzard la Couture, Branchenleitung Ernährung bei der GLS Bank.

Wir setzen weiterhin auf ökologische Landwirtschaft, die Mensch und Natur bereichert und nicht schädigt. Wir finanzieren keine Gentechnik in der Landwirtschaft und bieten auch keine Geldanlagen in diesen Bereich. Unser Ziel ist weiterhin 100 % Bio für alle. 

Was kannst Du tun?

Als Verbraucher*in kannst gentechnikfreie Lebensmittel mit Bio-Siegel oder dem freiwilligen Siegel “Ohne Gentechnik” kaufen. Eine andere Möglichkeit ist der direkte Einkauf und Bezug bei Ökobetrieben. Die ökologische Saatgutzüchtung kannst Du unterstützen, indem Du in Deinem Garten oder auf Deinem Acker ökologisches Saatgut verwendest. Oder durch Spenden an Initiativen, die sich für ökologische Züchtung einsetzen, z.B. den Saatgutfonds oder Save our Seeds 

Mehr Informationen

GLS Zukunftsbild Ernährung

Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Pressemitteilung des Bund ökologische Landwirtschaft (BÖLW)

 

Foto: Sara Kurfess