12.03.2026

Die teure Lüge: Atomkraft für den Klimaschutz

Am 10. März lud die französische Regierung zur „internationalen Konferenz zur Zukunft der Kernenergie“ ein. Viele Staatschef*innen kamen nach Paris. Ausgerechnet einen Tag vor dem 15. Jahrestag der Fukushima-Reaktor Katastrophe am 11. März 2011. 

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) bekannte sich dort in ihrer Rede klar zur Atomenergie. Noch in diesem Jahr sei geplant, eine EU-weite Strategie für den Einsatz von Small Modular Reactor (SMR) zu veröffentlichen. Dafür würde die EU Garantien in Höhe von 200 Millionen Euro bereitstellen.

Das fadenscheinige Argument: Die Reaktoren sollen beim Erreichen der Klimaneutralität helfen. Umweltfolgen, Unfälle in radioaktiven Endlagern und Ewigkeitskosten sprechen eine andere Sprache. Problematisch ist auch der Handel mit Uran. Der radioaktive Brennstoff wird nur in wenigen Regionen gefördert – vor allem in Russland und Kasachstan. 

GLS Bank Vorstand Dirk Kannacher sagt: “Ich kenne kein privates Unternehmen, das heute ein Atomkraftwerk versichern würde. Das Risiko und die Kosten sind schlicht zu hoch. Wieso sollten wir das Risiko und die Kosten als Gemeinschaft tragen? Nein. Wir haben mit den Erneuerbaren bereits friedensfördernde, dezentrale und günstigere Technologien. Atomkraft ist, wenn wir auch Umweltfolgen, Lagerkosten und politische Abhängigkeiten einpreisen, eine der teuersten Energien, die wir nutzen könnten.”

Das sind alles Gründe, weswegen die GLS Bank seit ihrer Gründung Atomenergie als festes Ausschlusskriterium in ihren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen verankert hat. Atomkraft? Nein danke!

Immerhin: RWE-Chef Markus Krebber hält Investitionen in kleine Atomreaktoren (SMR) derzeit für wirtschaftlich nicht vertretbar. Hauke Herrmann vom Öko-Institut sieht die Rückkehr zur Atomenergie ebenfalls kritisch: Der Ausbau Erneuerbarer Energien habe den Atomausstieg über die letzten 15 Jahre hinweg sogar überkompensiert. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hält ebenfalls am Ausstieg von Atom fest.

Dass Atomkraft teuer ist, zeigt ein Blick in den Bundeshaushalt: 

  • 2025 kostete die Zwischenlagerung rund 525,44 Millionen Euro. Die Endlagerung und das Standortauswahlverfahren kosteten rund 860,81 Millionen Euro. 
  • Für 2026 sind für die Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle ca.1,54 Milliarden Euro eingeplant. Das sind 178,91 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.  
  • Davon entfallen 1,05 Milliarden Euro auf die Endlagerung und das Standortauswahlverfahren und 489,76 Millionen Euro auf die Zwischenlagerung. 
  • Was hinter den Zahlen steckt: Die Menschen, die in der Nähe des Atommülllagers Asse bei Wolfsbüttel leben, sorgen sich täglich, dass ihr Grundwasser verunreinigt wird. Die Region wäre dann nicht mehr bewohnbar.

Weitere Informationen zu Kernenergie und Erneuerbaren Energien

100 % Erneuerbare: Zukunftsbild Energie der GLS Bank

Clean and safe - Mehr Atom für Europa? Interview mit Jürgen Trittin, B90/Grüne, Deutschlandfunk vom 11. März 2026

Marc-Uwe Kling über Atomkraft und die „Söder-Challenge“ | Till Reiners’ Happy Hour – darüber, dass es wohl kein privates Unternehmen gibt, dass so sehr an Atomkraft und seine Wirtschaftlichkeit glaubt, dass es ohne staatliche Versicherung investieren würde. ZDF-Satire vom 22. Februar 2026

Milliardengrab Atomkraft - Doku über unkalkulierbare Kosten der Atomenergie, Mediathek WDR Radio Doku 2022