Mitgliedergeschichte von Shirin Homann-Saadat

Shirin Homann-Saadat

"Ich bin Mitglied der GLS Bank, weil ich Verbündete brauche"

Shirin Homann-Saadat Künstlerin

Mitglied bei der GLS Bank zu sein macht Sinn. Warum, erfahren Sie im Interview mit der Künstlerin Shirin Homann-Saadat, die ihre Kunstwerke im Kistenformat präsentiert. Ihre Arbeit zum Thema Landminen steht im Gebäude der Vereinten Nationen in New York.

Frau Homann-Saadat, Sie setzen sich künstlerisch mit Landminen auseinander. Wie sind Sie darauf gekommen?

Homann-Saadat: Das hatte zwei Impulse. Der erste kam von einem Projekt, das ich im Kosovo gemacht habe. Damals habe ich aus meinem Architekturstudium heraus ein Haus für Frauen entworfen und wurde mit der Thematik konfrontiert, weil ich unmittelbar vor Landminenfeldern stand. Der zweite Impuls war, dass viele Jahre vorher mein Cousin wegen des Iran-Irak-Krieges den Iran verlassen hat. Dort wurden auch Kinder zum Räumen von Landminen eingesetzt.

Wie setzen Sie das Thema in Ihrer Kunst um?

Landminen sind eine große Gefahr für Kinder, da sie mit ihnen spielen wollen. Ich habe mich gefragt, was das Äquivalent für Erwachsene ist, das diese Art Begehrlichkeit weckt. Und das ist Geld. Also habe ich Landminen in Originalgröße abgegossen, sie vergoldet und auf rotem Samt in einer schwarzen Kiste präsentiert. Das Material verweist auf die herrschaftliche und finanzielle Präsenz der Waffen. Zugleich sind die Farben eine Anspielung auf die deutschen Waffenexporte.

Braucht man dafür Mut?

Ich habe das nie so gesehen. Die Landminenkiste steht heute im Gebäude der Vereinten Nationen. Doch sie wäre ja dieselbe, wenn sie nicht dort, sondern bei mir zu Hause stehen würde. Es würden sie zwar weniger Leute sehen, aber das Objekt selbst würde sich nicht ändern. Wäre die Arbeit deswegen schlechter oder wäre ich deswegen weniger mutig?

Was heißt es für Sie, mit Ihrer Kunst erfolgreich zu sein?

Solange es für einen anderen Menschen hilfreich ist, ist es ein erfolgreiches Projekt. Das Monetäre darf mich nicht beeinflussen. Natürlich müssen auch Künstler von etwas leben, aber wenn ich Geld machen wollen würde, hätte ich nicht Philosophie studiert und würde keine Kunst machen. Eine Nonne wird ja auch nicht gefragt, ob sie von ihrem Beruf leben kann. Als Künstler wird man ständig nach dem Einkommen gefragt. Da muss man entweder begründen, warum man ausgerechnet mit Kunst Geld verdient, oder man ist kein richtiger Künstler, weil man nicht verkauft.

Sie beschäftigen sich mit dem Thema Geld. Wie kam es dazu?

Als ich für die Landminenkiste ein Honorar bekam, stellte ich fest, dass ich es bei einer Bank einzahlte, von der ich nicht weiß, ob sie die Waffenherstellung mitfinanziert. Damit hatte ich den Inhalt meines Projekts ad absurdum geführt. Also habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Eigentlich ist das ein tolles Geschenk für mich persönlich gewesen — ich setze mich endlich verantwortungsvoll mit dem Thema Geld auseinander und bin dann zur GLS Bank gewechselt.

Worum wird es in Ihrem nächsten Projekt gehen?

Um psychische Gesundheit. Die Inflation psychiatrischer Diagnosen und des Psychopharmakagebrauchs werden ebenso eine Rolle spielen wie die Inklusion der Betroffenen in den Arbeitsmarkt. Das passt nicht in eine Kiste, deshalb wird es eine Kistenserie werden.

www.shirin-homann-sadaat.com

 

 

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