Chancengleichheit bei der GLS Bank

von Dr. Charlotte Habel, GLS IT Analytics

Die GLS Bank ist ein modernes Unternehmen, das Wert auf Vielfalt und Chancengleichheit legt.

"Wir wertschätzen Vielfalt und begrüßen daher ausdrücklich alle Bewerbungen – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer und sozialer Herkunft, Religion/Weltanschauung, körperlichen Fähigkeiten, Alter sowie sexueller Orientierung und Identität", heißt es in den Stellenausschreibungen.

Der Vorstand ist mit zwei Frauen und zwei Männern paritätisch besetzt. Fast zwei Drittel der Mitarbeiter*innen sind Frauen. Aber auch bei uns gibt es noch Unterschiede in der Bezahlung der Geschlechter. Der unbereinigte Gender-Pay-Gap (GPG) in der GLS Bank betrug zum 31. Dezember 2020 13,73 Prozent. Das soll sich ändern. Dafür blicken wir zuerst auf Methoden, Fakten und Zahlen.

Gender-Pay-Gap – was ist das?

Eine Gender-Pay-Gap-Analyse untersucht, ob es einen Unterschied in der Bezahlung (Pay) zwischen Männern und Frauen (Gender) gibt, und wenn ja, wie hoch diese Differenz (Gap) ist. Dazu werden die durchschnittlichen Brutto-Stundenlöhne von Festangestellten miteinander verglichen.

"Bereinigt", "unbereinigt"?

Beim unbereinigten GPG wird die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttoverdiensten von Frauen und Männern errechnet. Dabei fließen nicht nur Angaben von Vollzeitbeschäftigten ein, sondern von allen Beschäftigten inklusive Auszubildenden und Teilzeitkräften. Der bereinigte GPG erlaubt Aussagen zur Höhe des Unterschieds im Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern mit vergleichbaren Eigenschaften. Dazu zählen zum Beispiel Qualifikationen, Ausbildungsgrad, Arbeitserfahrung, Berufswahl.

Der bereinigte GPG fällt zwar kleiner aus, zeigt aber unverfälscht an, um wieviel Prozent Frauen vom Arbeitgeber schlechter bezahlt werden. Der unbereinigte GPG zeigt dagegen in absoluten Zahlen, wie viel weniger Geld Frauen haben – systemische und gesellschaftliche Faktoren wie Positionen und Wochenarbeitszeit fließen hier mit ein.

Die Lohnlücke in Deutschland …

In Deutschland beträgt der unbereinigte GPG 20,1 Prozent. Das heißt, Frauen verdienen durchschnittlich ein Fünftel weniger als Männer, oder anders ausgedrückt, Frauen bekommen nur 80 Cents für jeden Euro, den Männer bekommen. Im Übrigen ergeben sich daraus geringere Renten und finanzielle Nachteile für weibliche Alleinerziehende.

Wie entsteht die Lücke? In der Gesellschaft sind die Gründe für den Gender Pay Gap sehr vielschichtig. Es beginnt damit, dass frauendominierte Berufe in der Pflege, Erziehung, Reinigung oder im Einzelhandel zu den schlechter bezahlten gehören. Gleichzeitig ist es gesellschaftlich anerkannt, dass Frauen zuhause bleiben und sich um Kinder, Familie und Haushalt kümmern – ohne Lohn- oder Rentenausgleich durch die (Ehe)männer. Das führt dazu, dass Frauen mehr unbezahlt und mehr in Teilzeit arbeiten. Dadurch können sie sich weniger ihrer Karriere widmen und werden seltener befördert.

Andererseits gibt es auch psychologische Phänomene. Frauen verlangen durchschnittlich weniger Gehalt für den gleichen Job. Das trägt besonders bei den außertariflichen Führungspositionen zum Lohngefälle bei. Und dann gibt es noch den „Mini-Me Effekt“, der vereinzelt dazu führt, dass Vorgesetzte oder Vorstände für Führungspositionen solche Menschen wählen, die ihnen selbst vom Aussehen oder den Hobbys her ähneln – unabhängig von der Qualifikation. Beides führt dazu, dass der bereinigte GPG in Deutschland bei etwa sechs Prozent liegt, wenn die Erwerbsauszeiten von Frauen berücksichtigt werden (ohne Berücksichtigung wird er auf zwei Prozent geschätzt).

… und bei der GLS Bank

Mit 13,73 Prozent sind wir beim unbereinigten GPG vergleichsweise besser als der Bundesdurchschnitt von 20,1 Prozent, weitaus besser als der Durchschnitt in der Finanzbranche (28 Prozent) und auch etwas besser als der europäische Durchschnitt von 14,1 Prozent. Das Einkommensmodell der GLS Bank sieht ein Grundeinkommen für alle vor sowie eine Gehaltsstaffelung in acht Funktionsgruppen nach Verantwortung und Expertise. Dadurch sind die "einfacheren" Jobs tendenziell besser bezahlt als bei vergleichbaren Arbeitgebern und die "komplexeren" etwas schlechter. Dennoch befinden sich in den unteren Funktionsgruppen 60 bis 100 Prozent Mitarbeiterinnen, die Kantine und die Reinigung sind "Frauensache".

 

Bei den Funktionsgruppen mit Fachwissen und wenig Führungsverantwortung halten sich Frauen und Männer in etwa die Waage, während in der zweiten und dritten Führungsebene mehr Männer die Stellen besetzen (40 Männer, 25 Frauen). In den unteren Funktionsgruppen verdienen Frauen durchschnittlich mehr als Männer. Der Grund: Sie verbleiben länger in diesen Positionen. In den oberen Funktionsgruppen scheinen die psychologischen Phänomene stärker zu wirken. Frauen verdienen dort durchschnittlich fünf bis neun Prozent weniger, auf den ersten drei Führungsebenen liegt der Wert sogar zwischen elf und 14,8 Prozent.

 

Die Lücke verkleinern

In der GLS Bank haben wir den GPG erstmals 2020 erhoben. Deswegen kennen wir noch nicht alle Ursachen im Detail. Wir haben aber schon viele Maßnahmen umgesetzt oder angestoßen, um die Lücke zu verkleinern.

Die Stellenausschreibungen wurden explizit um Teilzeit und Jobsharing erweitert. Wir haben Ansprechpartnerinnen für höhere Führungspositionen, Mentoring sowie Erfahrungsaustausch und Netzwerkearbeit. Wir fördern die Standhaftigkeit und das Selbstbewusstsein von Frauen. Vielen Mitarbeiter*innen in der GLS Bank war vor unseren Erhebungen gar nicht bewusst, dass auch bei uns eine ungerechte Bezahlung vorliegt. Jetzt werden die Führungskräfte für Chancengleichheit, Diversität und Inklusion sensibilisiert. Als Arbeitgeberin soll die GLS Bank Frauen mit gleichen Eigenschaften und Qualifikationen genauso bezahlen wie ihre männlichen Kollegen im gleichen Job, auch wenn sie weniger verlangen. Und wir arbeiten weiter daran, beide/alle Geschlechter dabei  zu unterstützen, sich paritätisch um das Einkommen und um die Familie kümmern zu können.

Schritt für Schritt werden wir die Lücke schließen.

GLS Nachhaltigkeitsziel "Geschlechterparitätische Besetzung der ersten beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands"
GLS Nachhaltigkeitsbericht 2019

 

 

Charlotte Habel

     Charlotte Habel

Frau. Macht. Geld

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  • Frauen haben 46 % weniger Rente als Männer. 
  • Ein Drittel aller Frauen zahlen 0 Cent in ihre Altersvorsorge.
  • 90 % aller Frauen zwischen 30 und 50 verdienen im Monat weniger als 2000 Euro netto.

Deshalb: Planen Sie so früh wie möglich Ihre finanzielle Unabhängigkeit.