Stellen Sie sich vor!

Ob Künstler, Geschäftsführerin, Student oder politischer Aktivist – ob Privatperson, Stiftung oder Unternehmen: die GLS Mitgliedergemeinschaft aus 46.000 GLS Mitgliedern ist für alle interessant, die richtig viel bewirken wollen. Und sie entscheidet konkret mit über die Entwicklung der Bank. Gehören Sie schon dazu!?

Annette Pannenbäcker

Annette Pannenbäcker

"Die Idee der GLS Bank basiert auf Werten, die wir voll und ganz teilen."

Caroline Braun

"Bei der GLS Bank werden auch alternative Lebensmodelle ernst genommen."

David Weidner

"... damit die GLS Bank aus dem Geld etwas Sinnvolles macht."

Geschichten unserer Mitglieder

Die Anzeigen der GLS Bank erscheinen in Zeitungen und Magazinen und  hängen regelmäßig als Plakate bundesweit in Bahnhöfen. Eine von ihnen wird seit Kurzem von einem freundlichen Gesicht geziert.

Eigentlich wollte Alex Marashian nur eine gemütliche Mittagspause in netter Gesellschaft verbringen. Dass er damit Teil einer bundesweiten Kampagne der GLS Bank werden könnte, hätte er sich nie träumen lassen. Der Amerikaner aus Kalifornien lebt seit sieben Jahren in Berlin. Regelmäßig verbringt er Zeit in den Prinzessinnengärten – einem urbanen Gartenprojekt. An diesem Tag trifft er dort Oliver Helbig, der die angelegten Obst– und Gemüsebeete im Auftrag der GLS Bank fotografiert. „Ich bin mit Oliver sehr gut befreundet, wir haben als Journalisten bereits zusammengearbeitet“, erzählt das GLS Mitglied. „An dem Mittag sind dann spontan ein paar Bilder mit mir entstanden, wir haben viel gelacht und anschließend habe ich gar nicht mehr darüber nachgedacht. Bis ich einen Anruf von der GLS Bank bekam.“

Alex Marashian ist Redakteur und in der Werbebranche selbstständig — am liebsten möchte er sich jedoch seiner Leidenschaft, der Musik, dem Komponieren und Schreiben, widmen. Er hat Erfolg in seinem Beruf und trotzdem ein ambivalentes Verhältnis zu seiner Tätigkeit: „Ich ermuntere mit meiner Werbung Menschen zum Konsum. Das sehe ich kritisch.“ Deshalb sucht er sich seine Auftraggeber sehr genau aus. Auch im Rahmen seiner Gastprofessur an der Bauhaus–Universität Weimar möchte Marashian den Studenten ein kritisches Verhältnis zur Konsumkultur näherbringen.

Wie sind Sie auf die GLS Bank aufmerksam geworden?
„Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt mich seit vielen Jahren. Die Arbeit und Projekte der GLS Bank habe ich schon länger verfolgt. Dann war es nur konsequent, dass wir, mein Mann und ich, zur GLS Bank wechselten.“

Warum sind Sie Mitglied geworden?
„Für uns war es ein logischer und folgerichtiger Schritt, auch Mitglied dieser sinnstiftenden Gemeinschaftsbank zu werden, zumal wir auch im Bereich des Gemeinwohles und des Sozial-Unternehmertums tätig sind. Die Idee der GLS Bank ist uns sehr wichtig und basiert auf Werten, die wir voll und ganz teilen. Deshalb haben wir die GLS Bank auch auf unserer Website www.joerg-pannenbaecker.de verlinkt. Auch die Ziele in der Genossenschaft, Menschen zusammenzubringen und sich für das Gemeinwohl zu engagieren, liegen mir am Herzen. Den letzten Ausschlag zur Mitgliedschaft gab dann noch der Bankspiegel zum Thema Genossenschaften.“

Warum sollten andere Menschen GLS Mitglied werden?
„Wenn man einen persönlichen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten möchte, zu einem ökologischen Stromanbieter wechselt,  Bio und Fair einkauft, ist es konsequent, auch zu einer nachhaltig wirtschaftenden Bank zu wechseln. Wer als GLS Kunde mit seiner Bank zufrieden ist und sein Kapital in soziale und ökologische Projekte investieren möchte, für denjenigen ist die Mitgliedschaft ein ideales Forum, sich am gesellschaftlichen Wandel zu beteiligen.“
 

Wie haben Sie von der GLS Bank erfahren?
„Bei uns im Dorf ist eine Art Alternativ-Kultur entstanden. Es gibt ein Tagungshaus, zinsfreie Leihgemeinschaften und so habe ich über den Kontakt mit anderen Dorfbewohnern von der GLS Bank erfahren.“

Warum sind Sie Mitglied geworden?
„Ich bin Mitglied geworden, weil ich die Idee der Genossenschaft für richtig halte. Die GLS Bank bewegt viel und ich möchte einfach solch gute „Leuchtturm“- Modelle unterstützen, mich engagieren. Auch die Ökologie ist für mich ein wichtiges Thema und die Idee von Leihen und Schenken, die schon im Namen der GLS Bank verankert ist, aber leider nicht mehr so oft mit genannt wird. Ich bin stolz darauf, dass die GLS-Bank die Schönauer Stromrebellen (EWS) beim Aufkauf der eigenen atomstromfreien Stadtwerke so tatkräftig unterstützt hat.“

Was wünschen Sie sich von der GLS Bank?
„Ich würde mir wünschen, dass die GLS Bank so weitermacht wie bisher. Wenn man ein Buch über das Problem des Zinsnehmens in der Theologie und Wirtschaft veröffentlicht hat und zinsfreie Leihgemeinschaften kennt, dann ist die GLS die 1.Wahl. Ach ja:  Die Einführung eines gebührenfreien Girokontos wünsche ich mir von der GLS-Bank.“

Mitglied seit Dezember 2008

„Wenn wir uns fragen, welches Haus am wertvollsten für seine Bewohner, die nachfolgenden Generationen und den Klimaschutz wäre, kann die Antwort meines Erachtens nur lauten: ein wohngesundes Haus aus der Natur“.

So beschreibt Dagmar Fritz, Geschäftsführerin und Mitinhaberin der Firma Baufritz, ihre Geschäftsstrategie. Das 1896 gegründete Familienunternehmen betreibt bereits seit Jahrzehnten intensive Gesundheitsforschung und verwendet ausschließlich schadstoffgeprüfte sowie nachhaltige Baustoffe und Naturmaterialien. Basis für alle Häuser bildet der Werkstoff Holz, dessen sogenannte Grauenergiebilanz allen anderen Stoffen bei der Gewinnung des Rohmaterials, Produktion und Transport haushoch überlegen ist. Sämtliche Baumaterialien werden vor dem Einsatz einer baubiologischen Emissionsbewertung unterzogen und auch die Grundstücke werden nach Belastungsfaktoren analysiert. Eine spezielle Baufritz-Elektrosmog-Schutzebene schützt zudem alle Hausbewohner vor gesundheitsgefährdenden Strahlen - z.B. durch Mobilfunksender oder Flugradar. Bereits zwölf Mal wurden Hausentwürfe der Firma zum „Haus des Jahres“ gewählt. 2009 erhielt das Unternehmen die Auszeichnung zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Kunde und Mitglied bei der GLS Bank zu sein macht Sinn - warum, fragten wir unsere langjährigen Kunden Carola und Ben Hadamovsky. Die Weltumsegler ließen sich vor kurzem mit ihren beiden Kindern im von der GLS Bank finanzierten Gemeinschaftsdorf Schloss Tempelhof nieder.

Herr Hadamovsky, wie wuchs der Wunsch in Ihnen, eine Weltreise zu unternehmen?
„Das hat sich eher zufällig ergeben. Ursprünglich wollten wir für circa zwei Jahre unseren Alltag verlassen und eine verlängerte Kinder- und Erziehungszeit unter Segeln nehmen. Die Erfahrung, mit wie wenig Geld wir auf einem kleinen Segelboot ein glückliches Leben führen können, ließ uns dann immer weiter segeln, bis uns in Neuseeland dann das Heimweh und die Schulpflicht auch noch den Rest der Welt umrunden ließ.“

Welche einprägsamen Stationen gab es auf Ihrer Weltumsegelung?
„Das Meer! Drei Wochen nur Wasser, Wolken und Wind sind eine Erfahrung, die für uns sehr prägend wurde. Wir empfehlen jedem jungen Paar eine Atlantiküberquerung, am Besten vor der Ehe. Dabei lernt man sich selbst und den anderen recht gut kennen.
Ein weiteres befreiendes Erlebnis war die Reduzierung von unserer 94 Quadratmeter- Etagenwohnung auf ca. 10 Quadratmeter auf unserem nur 9,86 Meter langen Segelboot. Platz allein macht nicht glücklich! Sich von materiellen Gütern zu befreien ist mindestens ebenso befriedigend wie diese anzuhäufen.“

Sie haben gerade Ihren Umzug hinter sich gebracht. Wie lebt es sich in einem Gemeinschaftsdorf?
„Das lässt sich bisher durchaus mit einer Atlantiküberquerung vergleichen: Zu Anfang wird man ordentlich durchgeschaukelt; manches Mal ist einem zum Davonlaufen, aber uns wachsen neue Fähigkeiten zu. Ungeahnte Schönheiten zeigen sich in der Ruhe und Beschränkung auf das Wesentliche.“

Was unterscheidet Schloss Tempelhof von anderen ÖkoDörfern?
„Uns begeistert die Dynamik und Kraft, mit der am Tempelhof nach neuen Wegen in der Kommunikation, im Zusammenleben und im Wirtschaften gesucht wird.“

Was erwarten Sie von Ihrer Bank?
„Transparenz, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Mut.“

Gibt es etwas, das Sie der Bank für die Zukunft wünschen?
„Sich immer weiter zu entwickeln und vor allem anderen die Impulse der nachfolgenden Generationen aufzunehmen.“

Warum sollten Menschen Kunde oder Mitglied der GLS Bank werden?
„Weil wir in den jüngsten Krisen gesehen haben, was passiert, wenn wir unser Geld im alten System lassen.“

 

Mitglied sein in der GLS Bank macht Sinn. Warum erzählt uns Caroline Braun. Die 26-jährige Webdesignerin und Journalistin lebt in Frankfurt. Sie ist seit zwei Jahren GLS Kundin und vor kurzem GLS Mitglied geworden.

Wie haben Sie von der GLS Bank erfahren?
Ich habe im Internet nach dem Begriff „ethische Bank“ gesucht und bin dabei auf mehrere Blogbeiträge gestoßen, die über die GLS Bank berichtet haben. Nachhhaltigkeit ist mir sehr wichtig. Ich ernähre mich zum Beispiel fast ausschließlich auf pflanzlicher Basis und engagiere mich bei einer Organisation, die Lebensmittel vor der Tonne rettet. Da wäre es absurd, Mitglied einer Bank zu sein, die vielleicht mit Lebensmitteln spekuliert oder diese durch ihre Investitionen sogar zerstört.

Warum sind Sie Mitglied geworden?
Das war für mich eine Frage der Konsequenz. Ich möchte Nachhaltigkeit in jedem meiner Lebensbereiche und das Konzept der GLS Bank hat mich überzeugt.

Was ist Ihnen bei der GLS Bank besonders wichtig?
Drei Dinge: erstens weiß ich, wie das Geld investiert wird, zweitens kann ich selbst auswählen in welches Projekt ich investiere und drittens fühle ich mich bei der GLS Bank als Individuum aufgenommen. Bei anderen Banken habe ich Erfahrungen gemacht, dass ich oft nach Schema F behandelt wurde. Zum Beispiel wird automatisch davon ausgegangen, dass jemand, der kein Auto hat, sich unbedingt eines zulegen möchte und dafür die nötigen Mittel braucht. Bei der GLS Bank habe ich das Gefühl, dass auch alternative Lebensmodelle ernst genommen werden.

Was wünschen Sie sich zukünftig noch von der GLS Bank?
Die GLS Bank könnte noch präsenter sein. Zum Beispiel mit einer besseren Infrastruktur, einer größeren Zahl Geldautomaten, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Vielen Menschen ist die GLS Bank kein Begriff. Ich glaube, viele könnten von nachhaltigen Investitionen überzeugt werden, wenn sie wüssten, dass so etwas tatsächlich möglich ist.

Stand: Februar 2016

Catharina Oppitz ist unser 40.000 GLS Mitglied. Catharina Oppitz ist 38 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Bremen. Sie arbeitet im Marketing eines Carsharing Anbieters. Warum sie Mitglied wurde, erzählt sie im Interview.

Warum sind Sie GLS Mitglied geworden?
Auslöser war, dass ich mit meiner alten Bank furchtbar unzufrieden war. Die hat mir immer ganz „tolle“ Produkte angeboten, die nach zwei Jahren schon nicht mehr so toll waren. Irgendwann dachte ich, ´Jetzt muss alles ganz anders werden!´ und habe gewechselt. Dazu kommt, dass Nachhaltigkeit bei mir im Alltag eine große Rolle spielt, wir sind bei EWS (Elektrizitätswerke Schönau) und bei einer Einkaufskooperative, ich arbeite bei einem Carsharer. Deshalb war mir wichtig, dass auch meine Bank nachhaltig tätig ist.

Wie sind Sie auf die GLS Bank aufmerksam geworden?
Über einen Kollegen, der mir erzählt hat, dass er Kunde bei der GLS Bank ist.

Welche Rolle spielt Geld für Sie?
Geld spielt bei mir eine sehr untergeordnete Rolle. Natürlich müssen die Grundbedürfnisse bezahlt werden. Aber ich beschäftige mich nicht so ausführlich mit dem Thema. Beim Geld möchte ich die Verantwortung gerne abgeben, aber trotzdem wissen, was damit passiert.

Was ist Ihnen wichtig?
Die Zeit mit meiner Familie und die Zeit mit mir.

Wenn Sie Ihren Freunden die GLS Bank beschreiben müssten, wie würden Sie das tun?
Ich würde empfehlen, sich einfach darauf einzulassen. Zum Beispiel gibt es zwar keine Filialen, aber es ist trotzdem immer jemand da. Ich bin bisher total zufrieden. Ich hatte schon verschiedene Auslandsreisen und bisher hat es mit dem Bezahlen und Geld abheben ganz fantastisch geklappt.

Worum sollte sich die GLS Bank unbedingt kümmern?
Ich fände es gut, wenn sich die GLS Bank dafür einsetzt, dass möglichst viele Menschen Zugang zu einem Konto bekommen, seien es solche, die in Privatinsolvenz sind oder Menschen ohne festen Wohnsitz.

Haben Sie schon überlegt, ob Sie zur nächsten Jahresversammlung nach Bochum kommen werden?
Das habe ich mir schmunzelnderweise tatsächlich schon einmal angeschaut. Also, wenn ich in der Nähe wäre, ja. Ansonsten fände ich es gut, wenn es möglich wäre, das Ganze online nachzuerleben.

David Weidner (29 Jahre) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finance und Banking. Vor kurzem wurde er Mitglied der GLS Bank. Im Frühjahr 2016 machte er in Bochum ein einmonatiges Praktikum in der GLS Zukunftswerkstatt.

Wie hast du von der GLS Bank erfahren?
Über einen Mitarbeiter der Frankfurter Filiale, den ich seit vier Jahren kenne und mit dem ich mich regelmäßig über die Themen der Bank unterhalte, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit.

Was gab den Ausschlag dafür, dass du Mitglied geworden bist?
Das war das Ergebnis ernsthaften Nachdenkens darüber, was ich mit einem Teil meines ersparten Geldes machen wollte. Ich habe mich für die Mitgliedschaft entschieden, damit die GLS Bank aus dem Geld etwas Sinnvolles macht.

Was ist dir in deinem Leben wichtig?
Wichtig ist mir ein gutes Verhältnis zu meinen Freunden und in meiner Beziehung. Außerdem will ich die Welt, in dem kleinen Rahmen, in dem es mir möglich ist, ein Stückchen verbessern. Und ich will das, was ich Gutes erfahren habe, an andere weitergeben.

Du hast Betriebswirtschaft studiert, arbeitest im Finanzsektor und hast einen Monat lang die GLS Bank erlebt. Wo ist die GLS Bank anders?
Sie konnte mir als einzige Bank glaubhaft vermitteln, dass sie das Interesse für die Menschen vor den Gewinn stellt. Sie hat das Ziel, unterstützenswerte Projekte zu finanzieren. Gewinn wird nur erwirtschaftet, damit das Bankgeschäft finanziert werden kann. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist mir aufgefallen, dass sie viele ideologische und kreative Diskussionen führen, die in einem ersten Schritt vielleicht „unwirtschaftlich“ scheinen, in einem zweiten Schritt die Welt aber voranbringen. Sehr positiv finde ich auch, dass es eine gesunde Mischung zwischen nachhaltigem Denken, Weltverbesserung und wirtschaftlicher Optimierung gibt. Das macht meiner Meinung nach auch den Erfolg der Bank aus.

Banken stehen vor großen Veränderungen, Niedrigzins, Digitalisierung, Regulierung. Wohin sollte sich die GLS Bank entwickeln?
Zunächst einmal sollte sie weiterhin offen kommunizieren, wo ihr Kosten entstehen und dass in der Welt nichts umsonst ist. Wenn es keine Zinsen gibt, muss das Geld irgendwo anders herkommen. Ich finde, ein Beitrag für die GLS Bank ist zu rechtfertigen, er dürfte aber nicht nur für neue Kunden gelten. Er könnte natürlich die Gewinnung junger Kunden schwieriger machen.
Außerdem wünsche ich mir als GLS Mitglied eine Plattform, die Lust macht, sich mit Nachhaltigkeitsthemen zu beschäftigen und die mich begeistert, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Es gibt im Internet viele Angebote in dieser Richtung, aber bisher schaue ich bei keiner Website regelmäßig drauf. Ich glaube, bei einer GLS Plattform ständen die Chancen gut, dass ich aktiv dabei wäre. Ich wünsche mir natürlich auch, dass die GLS Bank weiterhin nachhaltige Projekte finanziert, denn ihr primärer Sinn ist doch die Kreditvergabe.

Stand: Juni 2016

Herr Dr. Lehmkuhl, Sie haben 2009 die Initiative „Vermögende für eine Vermögensabgabe“ mit ins Leben gerufen. Warum?
Das war Ergebnis der Finanzmarktkrise. Damals war plötzlich klar, dass wir ein Systemversagen haben und es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist, wenn die Armen und Normalverdiener für die Folgen dieses Versagens aufkommen müssen. Sie haben die Krise weder verursacht noch von dem Boom, der ihr vorausging, profitiert. Das war ein wesentlicher moralischer Impuls. Ein anderer waren die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie der ökologische Umbau der Wirtschaft, Bildungsfragen, Fragen der Infrastruktur und der sozialen Ungleichheit.

Was sind Ihre Kernforderungen?
Wir fordern eine einmalige zweckgebundene Vermögensabgabe in Höhe von zweimal fünf Prozent, auf zwei Jahre verteilt. Und zwar jenseits eines „Schonvermögens“ von 500.000 Euro, das unbesteuert bleibt. Anschließend fordern wir die Wiedereinführung der Vermögenssteuer in Höhe von mindestens
einem Prozent. Die aus der Vermögensabgabe erzielten Einnahmen - etwa 160 Milliarden Euro - sollen gezielt in die Energiewende, in Bildung sowie soziale Dienst- und Transferleistungen fließen.

Sehen Sie in Deutschland große Einkommensungleichheiten?
Absolut. In den 1950er–Jahren waren wir ein relativ egalitäres Land und im Vergleich zu England, den USA und Portugal sind wir das noch immer.  Besorgniserregend ist aber die Geschwindigkeit, mit der die Ungleichheit in Deutschland in den letzten 15 Jahren zugenommen hat. Früher wurde der Anstieg der Produktivität relativ fair verteilt. Damals lag der Spitzensteuersatz bei 70 und bis Ende der 1990er-Jahre bei 56 Prozent. Wesentlicher Treiber der Ungleichheit ist aber auch der Anstieg der Primäreinkommen in den oberen Segmenten. Früher hat ein DAX-Manager das Zwanzigfache von einem Arbeitnehmer seines Unternehmens verdient, heute geht es bis ins Zweihundertfache. Und das nicht durch verstärkte Leistung, sondern weil die Wachstumsgewinne hier nur noch an die oberen zehn Prozent gehen. Gleichzeitig stagnieren oder sinken die unteren Gehälter. Das bedeutet eine neue Qualität von Ungleichheit.

Welche Folgen hat das für die Menschen?
Die britischen Sozialforscher Richard Wilkinson und Kate Pickett haben herausgefunden: Je ungleicher eine entwickelte Gesellschaft ist, desto größer sind ihre sozialen Probleme. Es ist also die Einkommensungleichheit selbst, nicht allein Armut, die gesundheitliche Faktoren wie niedrigere Lebenserwartung, Depressionen und Ängste verschärft. Auch z. B. bei der Kriminalität schneiden ungleiche Länder schlechter ab. Insofern kann man sagen: Ungleichheit in sich selbst zerstört die soziale Struktur einer Gesellschaft.

Brauchen wir einen Kulturwandel, einen neuen Umgang mit Reichtum?
Ich denke, zentral ist, dass wir wieder über Werte sprechen müssen und darüber, wie wir leben wollen. Ohne stärkere Ausrichtung auf  gemeinschaftsbezogene Werte wie Solidarität, Kooperation, sozialen Zusammenhalt und mehr Gleichheit werden wir nicht die notwendigen Veränderungen hinbekommen.

 

Erhard Renz aus dem hessischen Bürstadt ist seit 2003 Mitglied der GLS Bank. Seit fast 30 Jahren engagiert er sich für regenerative Energien. Erhard Renz, auch bekannt als „Sonnenflüsterer“, war acht Jahre lang Stadtverordneter. Er rief zahlreiche Initiativen zur Bürgerenergie und zur dezentralen Energiewende ins Leben. Im Jahr 2013 erhielt er den Sonderpreis für persönliches Engagement von Eurosolar.

Erhard Renz bloggt zum Thema Erneuerbare Energien auf seinem Blog www.sonnenfluesterer.de

Wie kamen Sie zur GLS Bank?
Ich war Kunde bei Ökobank. Mit der Übernahme der Ökobank kam ich zur GLS Bank. Die kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Heute bin ich fanatischer Anhänger der GLS Bank.

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?
Ich finde den genossenschaftlichen Gedanken toll! 2006 habe ich zusammen mit Burkhardt Flieger eine der ersten Energiegenossenschaften gegründet, die Solarbürgergesellschaft. Im gleichen Jahr wurden drei, vier weitere Energiegenossenschaften gegründet und leiteten einen neuen Genossenschaftsboom ein.

Auch der Name gefällt mir gut. Wenn ich jemandem sage, meine Bank ist die „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“, da guckt mich jeder mit großen Augen an. Aber ich finde es einfach gut, dass wir hier unser Geld, wenn wir einmal zu viel davon haben, anderen Menschen zur Verfügung stellen, die es gerade brauchen, und das zu angemessenen Konditionen. Dass das Geld der Wertmaßstab in unserer Gesellschaft ist, finde ich schade. Da gibt es doch andere Werte, zum Beispiel wie sich Menschen engagieren.

Woher nehmen Sie Ihre Energie?
(lacht) Ich hab ja erneuerbare.

Ich wohne acht Kilometer neben dem Kernkraftwerk Biblis. Tschernobyl hat mich gravierend beeinflusst. Ich habe umgeschwenkt, zuerst im privaten Bereich, mit meinem ökologischen Hausbau, und dann bin ich bei den Erneuerbaren aktiv geworden.

Mit Freunden zusammen habe ich 2003 eine der damals weltgrößten Solaranlagen bauen können. Ich brauchte zwei Jahre, bis der Dachbesitzer die „verrückte“ Idee akzeptierte. Mit 23 Millionen Euro Investitionssumme war es auch eines der ersten Großprojekte auf fremden Dachflächen. Zur Einweihung im Jahr 2005 schloss ich mit dem damaligen CDU Landrat eine Solarwette ab. Bei mit geht es ja immer ein bisschen lustig zu. Der Landrat – er hatte ja selbst zwei AKW im Landkreis - musste innerhalb eines Jahres mehr installierte Solarthermieleistung nachweisen als die 5-Megawatt-Anlage an Strom. Wir wollten den Landkreis so in der Solarliga pushen. Der Verlierer musste in der Paella Pfanne 300 Spiegeleier braten. Und der Verlierer war ich.

Wie sieht für Sie eine gute Energieversorgung der Zukunft aus?
Ich will 100 % Erneuerbare. Jetzt haben wir in Deutschland 25 %. Das ist noch nicht vorbildhaft. Aber wir sind weiter gekommen als wir vor 10 Jahren dachten. 100 % Erneuerbare bedeutet natürlich auch das Ende der Großkonzerne und hin zur Bürgerenergie. Und dass wir über die Art der Versorgung und über die Preise miteinander vor Ort reden können. Beim Ölpreis geht das nicht.

In diesem Jahr wird die GLS Bank 40 Jahre alt. Was wünschen Sie der Bank zum Geburtstag?
Natürlich weitere 40 Jahre. Und das 40-fache an Mitgliedern.

Sie werden in diesem Jahr 60. Welchen Geburtstagswunsch haben Sie?
Dass am 28. Juni die Sonne scheint, da werde ich heiraten.

Mitglied bei der GLS Bank zu sein macht Sinn, das erklären Fritzi Bender, Kinderbuchautorin und Komikerin, und Hennes Bender, Comedian, aus Bochum. Beide sind seit März 2011 Mitglied der GLS Bank.

Warum sind Sie GLS Mitglied geworden?

Fritzi Bender: Wir haben schon lange mit der GLS Bank geliebäugelt. Nach Fukushima haben wir bei urgewald.de gelesen: „Wie radioaktiv ist Ihre Bank? Wissen Sie das?“, und gedacht: „Öh … nein!“ Das war der Punkt, an dem wir gesagt haben: „Jetzt muss jeder Einzelne handeln!“ Wir fanden es auch gut, Mitglieder der Bank zu werden. Denn damit können wir die Arbeit der Bank in der Basis stärken. Zum Beispiel, damit die Bank mehr sinnvolle Kredite vergeben kann. Außerdem dürfen wir in Zukunft auch mitreden, denn wir gehören ja damit sozusagen dazu.

Hennes Bender: Es ist Bequemlichkeit, die einen abhält. Aber am schlimmsten sind die, die sagen, da könne man eh nichts machen. Ein Freund sagte mir gestern, er wechsle heute den Stromanbieter. Da sagte ich: „Ich wechsle heute meine Bank.”

Was wünschen Sie sich von Ihrer Bank?

F. Bender: Dass mit meinem Geld Sinnvolles getan wird. Und dass sie weiterhin diesen Mut hat, in Sachen zu investieren, die nicht üblich sind, und sich damit ganz klar abzugrenzen.

H. Bender: Ich finde die Vernetzung mit anderen Ländern und Ökobanken wichtig. Je mehr Leute wechseln, desto mehr Druck können wir ausüben. Was nützt es, wenn alle deutschen AKWs abgeschaltet und im Nachbarland dafür neue gebaut werden?

www.fritzibender.de
www.hennesbender.de

Viele Wege führen zur GLS Mitgliedschaft. Friedhelm Uhlig aus Willich ist Anfang 2012 GLS Mitglied geworden und beschreibt seinen ganz persönlichen Weg zu uns.

“Es begann am 11. März 2011 … – nein, es begann bereits viel früher: im Sommer 1979!

Damals war ich in Norwegen unterwegs, zusammen mit vielen jungen und junggebliebenen Menschen, in einer großen Gemeinschaft aus verschiedenen Jugendgruppen, Jugendverbänden und Jugendbünden. Wochenlang wanderten wir über die Gletscher, doch unser gemeinsames Ziel war schließlich eine Volkshochschule in der kleinen Stadt Leira. Die Anthroposophen unter uns hatten dort eine Seminarwoche organisiert und auf diese Weise kam ich zum ersten Mal bewusst mit der Anthroposophie in Berührung.

Im März 2011 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben zunächst Japan und infolgedessen auch das Leben vieler Menschen weltweit.

Nachdem wir herausgefunden hatten, dass Ökostrom nicht teurer, sondern unter Umständen sogar günstiger ist als konventioneller Strom, wechselten in Deutschland viele umweltbewusste Bürgerinnen und Bürger zu Greenpeace Energy, zur Lichtblick AG, zur naturstrom AG oder zu den Stromrebellen aus dem Schwarzwald, den Elektrizitätswerken Schönau.

Wenig später erfuhren wir von urgewald e. V., dass wir auf halbem Wege stehen geblieben waren: Die entscheidende Frage lautete „Wie radioaktiv ist meine Bank?“ und zu diesem Thema gab es eine Broschüre. Meine bisherige Bank, die Postbank, war im Dezember 2010 zu einer Tochter der Deutschen Bank und damit sehr ‘radioaktiv’ geworden. Die Broschüre schlug Alternativen vor, eine davon lautete: GLS Bank Bochum.

Im Mai 2011 ließ ich mir Informationsmaterial zuschicken, zögerte aber noch, schreckte vor einem Wechsel zurück. Im Herbst 2011 trafen sich viele New Yorker Bürgerinnen und Bürger im Zuccotti-Park und forderten „OCCUPY WALL STREET“ – das war für mich das Signal zum Aufbruch! Ich beantragte mein neues GLS Bank Girokonto, ließ Anfang 2012 mein altes Girokonto bei der Deutschen Postbank löschen und erwarb bereits im März 2012 Genossenschaftsanteile, denn das genossenschaftliche Prinzip hatte mich immer schon sehr beeindruckt.

Am Samstag, den 16. Juni 2012, war ich zum ersten Mal bei der Jahresversammlung der GLS Bank. Ich fühlte mich willkommen und sofort heimisch, so dass ich am Nachmittag beim Workshop „Systemrelevant werden – wie können wir gemeinsam die Mitgliederbank stärken?” kaum noch zu bremsen war: Ich war in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten angekommen.”

Wir haben den Kabarettisten Georg Schramm interviewt für unsere Kundenzeitrschrift den BANKSPIEGEL 2/2012. Themen: Geld, Genossenschaften, Gesundheit und mehr.

Unter nachstehendem Link hören Sie das Interview mit Georg Schramm in voller Länge.

Weiter zum Interview

Kinder wollen viel entdecken und sich viel bewegen. Das Unternehmen KuKuk Kunst Kultur Konzeption hat sich die Umsetzung dieser Kinderträume zur Aufgabe gemacht. Das Team aus (Landschafts-) Architekten, Schreinern, Künstlern, Pädagogen und Betriebswirten und den beiden Geschäftsführern Bernhard Hanel und Robin Wagner plant und baut europaweit einzigartige Erfahrungs- und Spielräume für Kindergärten, Schulen, therapeutische Einrichtungen, die öffentliche Hand und Freizeitparks.

Dabei nehmen sich die Stuttgarter in der Planungsphase viel Zeit, um die Bedürfnisse der Menschen kennenzulernen, deren Lebensumfeld gestaltet werden soll. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen können sich mit ihrer ganzen Person einbringen und kreativ tätig werden. Zum Konzept der naturnahen Außenräume gehören auch die Verwendung von heimischen Pflanzen und der Einsatz von Naturmaterialien wie Natursteine und unbehandelte Hölzer. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit ist die künstlerische Gestaltung wie z.B. die Farbkomposition und das Einbeziehen der Elemente Wasser, Luft, Erde und Feuer.

Um auch Kindern in Krisengebieten und strukturschwachen Regionen im Ausland das Spielen und Lernen in einem geschützten Raum zu ermöglichen, wurde 2010 der Verein KuKuk Kultur e.V. gegründet. Jedes Jahr organisieren die Mitglieder eine Reise in Länder wie Nepal, Libanon, Indien, Brasilien oder Rumänien, um dort Schulen, Kindergärten, Städte und Gemeinden zu verschönern. Alle Beteiligten spenden dafür ihre Arbeitszeit. Für die Projekte selbst werden Spenden u. a. von der GLS Treuhand, aber auch von vielen Firmen akquiriert.

KuKuk konnte bereits über 1.000 Spiel- und Erfahrungsräume realisieren, und es kommen immer neue und spannende Aufgaben hinzu, wie z.B. die Erstellung von Konzeptionen im Bereich Naturerfahrung, Gesamt-Spielraum-Konzeptionen für Gemeinden oder Ausstellungskonzepte für Museen und Gartenschauen sowie Freizeiteinrichtungen. Nicht nur die Kinder sind von den Abenteueroasen begeistert

2012 erhielt KuKuk den Baden-Württembergischen Landespreis für junge Unternehmen.

Die Geschichte des Lehenhofs, der gemeinsame Wurzeln mit der GLS Bank hat.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, ihrer behinderten Tochter ein Leben in Würde zu ermöglichen, lernte das Ehepaar Peill-Meininghaus in den 60er-Jahren den Arzt und Heilpädagogen Dr. Karl König kennen. Dieser war 1938 nach Schottland emigriert und hatte dort die anthroposophisch geprägten Camphill-Gemeinschaften gegründet. Aus der Begegnung der beiden späteren GLS Bank Mitbegründer mit Dr. Karl König entstand letztlich der Lehenhof, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Noch immer wird hier erfolgreich ökologische Landwirtschaft mit einem sozialtherapeutischen Ansatz vereint. „Unser Gründer hat es so ausgedrückt, dass aus diesen beiden Impulsen etwas Neues, Drittes entsteht: der Dorfimpuls“, sagt der Vorstand Albrecht Römer, der hier seit 34 Jahren lebt und sich ganz dafür einsetzt, dass dieser Impuls weiter fruchtbar wird.

Das Dorf ist stetig gewachsen - auf heute 350 Menschen. Und mittlerweile gibt es zwölf Camphill- Gemeinschaften in Deutschland, weltweit sind es sogar über 100. Hier begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderungen auf Augenhöhe und haben am Gemeinschaftsleben teil. Für Albrecht Römer ist die Leitfrage stets die gleiche geblieben: „Wie gestaltet man das Gemeinschaftsleben so, dass es den Bedürfnissen und Notwendigkeiten seiner Mitglieder entspricht und sich zugleich jeder nach seinen Möglichkeiten in die Gemeinschaft einbringen kann?“

www.lehenhof.de

Maria Schaumberg (69) und Niko H. Lehmeier (72) aus Kronberg bei Frankfurt sind vor kurzem Mitglied bei der GLS Bank geworden.

Als Duo Saxodeon spielen sie auf Festen, bei Veranstaltungen und auf der Straße Blues, Klezmer, Chansons, Tango und Musettes. Mit den Einnahmen unterstützen sie u.a. ein Projekt für Langzeitarbeitslose, einen Kinderzirkus und die Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie sind Paten einer syrischen Familie und begleiten diese durch den Alltag. Seit 30 Jahren haben die beiden kein Auto mehr und fliegen auch nicht.  Vor der Pensionierung war Niko Lehmeier an der Fachhochschule Frankfurt Professor für Psychologie und Supervision im Fachbereich Soziale Arbeit. Maria Schaumberg war in der Erwachsenenbildung und in der politischen Bildung für das Land Hessen tätig. 

Im Interview erzählt Niko Lehmeier, weshalb er und seine Frau GLS Mitglied geworden sind und was ihnen im Leben wichtig ist.

Was gab den Ausschlag, jetzt Mitglied zu werden?
Wir beschäftigen uns schon lange mit dem Thema Geld, Finanzen und einem sozial-ökologischen Finanzwesen. Zunächst haben wir uns an Genossenschaftsbanken orientiert und die anderen Großbanken mit Skepsis beobachtet. Ende der 80er Jahre sind wir Mitglied der Ökobank geworden. Wir glauben, dass die Ungleichheit in der Welt, auch die ökonomische, und unzureichende Existenzsicherung und Perspektivlosigkeit gerade junger Menschen mit ein Grund für die terroristische Gewalt sind, die wir heute erleben. Bei der GLS Bank haben uns insbesondere die Ziele im ökologischen, sozialen und kulturellen Bereich überzeugt.  Hier haben wir langfristig Geld für Kinder, Enkel und Andere angelegt, das die GLS Bank sozial-ökologisch einsetzen kann.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit einer Mitgliedschaft?
Wir hoffen, dass die GLS Bank sich treu bleibt und sich langfristig für eine andere Verteilung von Geld einsetzt. Und dass sich ihre Arbeit auch im Großen auswirkt. Denn im weitesten Sinne geht es hier um Menschenrechte.

Was geben Sie der GLS Bank mit auf den Weg?
Sich zu behaupten und nach Mitstreitern zu suchen. Denn eine Bank alleine kann die Welt nicht verändern, das geht nur in der Gemeinschaft.

Was gibt Ihnen Energie und Freude am Leben?
Unsere Liebe zueinander. Und das Zusammenleben mit anderen und in unserer anspruchsvollen und etwas anderen Großfamilie; seit 20 Jahren haben wir Enkel, dazu gehören auch die syrischen Nachbarskinder und durch Wiederverheiratung sind weitere Familienmitglieder dazugekommen.

Was ist Ihre Lieblingsmusik?
Wir mögen beide einen melodiösen, intensiven, ausdrucksstarken und variantenreichen Jazz. Aber auch Chansons, Tango, Musette und Klezmer, in denen die Verwurzelung mit unseren Vorfahren und der deutschen Geschichte zum Ausdruck kommen.

Stand: Januar 2016

Warum sind Sie GLS Mitglied geworden?
Wir sind Mitglied in der GLS Bank, weil das die logische Folge unseres Denkens und Handelns ist.

Welche Bedeutung hat für Sie das Kochen?
Für mich war Kochen immer etwas, was mir große Befriedigung verschafft hat. Was kreativ ist, was haptisch ist, was gut riecht, wo man viel positives Feedback bekommt. Ich habe nicht gekocht, weil ich einen intellektuellen Anspruch hatte, sondern weil ich intuitiv etwas machen wollte, was mir Spaß macht, was mich und Andere befriedigt und nicht nur meinen Körper, sondern auch meinen Geist und meine Seele nährt. Das war der Grund, warum ich zu kochen angefangen habe.

In einem Ihrer Bücher haben Sie gesagt, dass Kochen auch bedeutet, Verantwortung zu übernehmen?
Kochen ist sehr vielfältig und so auch die damit verbundene Verantwortung. Zum einen ist es natürlich das Unmittelbare: Wie ernähre ich meinen Körper? Was mute ich ihm zu? Zum anderen muss ich mich fragen: Was mute ich der Natur, der Umwelt, den Nutztieren zu? Wir haben immer gedacht, so etwas Persönliches, Intimes wie Kochen zu Hause geht nur mich selber etwas an. Heute wissen wir, dass das nicht so ist. Dass unsere Entscheidung, was in die Pfanne kommt, was wir wegschmeißen oder wo wir Einkaufen, Auswirkungen bis in die hintersten Andentäler hat. Natürlich ist das mühsam, aber diese Verantwortung wird nicht verschwinden, nur weil wir die Augen davor schließen.

Auf Ihrer Internetseite legen Sie die sozial-ökologischen Anlagekriterien für das Stiftungskapital offen. Wie wichtig ist es Ihnen, dass das Geld sinnstiftend investiert ist?
Nachhaltigkeit hört nicht beim Tellerrand auf und auch nicht beim Samenkorn. Ein wesentlicher Teil sind auch die Banken und die Investitionen. Für uns war das gar keine Frage. Genauso wie wir z. B. bei unserem Bürobedarf nachhaltig einkaufen oder unsere eigenen alten Gemüsesorten vor Berlin anbauen. Insofern sind wir sehr froh, dass es eine werteorientierte Bank gibt. Wenn es die GLS Bank nicht geben würde, dann müsste man sie sofort gründen.

Künstlerin Shirin Homann-Saadat präsentiert Kunstwerke im Kistenformat. Ihre Arbeit zum Thema Landminen steht im Gebäude der Vereinten Nationen in New York.

Frau Homann-Saadat, Sie setzen sich künstlerisch mit Landminen auseinander. Wie sind Sie darauf gekommen?
Homann-Saadat: Das hatte zwei Impulse. Der erste kam von einem Projekt, das ich im Kosovo gemacht habe. Damals habe ich aus meinem Architekturstudium heraus ein Haus für Frauen entworfen und wurde mit der Thematik konfrontiert, weil ich unmittelbar vor Landminenfeldern stand. Der zweite Impuls war, dass viele Jahre vorher mein Cousin wegen des Iran-Irak-Krieges den Iran verlassen hat. Dort wurden auch Kinder zum Räumen von Landminen eingesetzt.

Wie setzen Sie das Thema in Ihrer Kunst um?
Landminen sind eine große Gefahr für Kinder, da sie mit ihnen spielen wollen. Ich habe mich gefragt, was das Äquivalent für Erwachsene ist, das diese Art Begehrlichkeit weckt. Und das ist Geld. Also habe ich Landminen in Originalgröße abgegossen, sie vergoldet und auf rotem Samt in einer schwarzen Kiste präsentiert. Das Material verweist auf die herrschaftliche und finanzielle Präsenz der Waffen. Zugleich sind die Farben eine Anspielung auf die deutschen Waffenexporte.

Braucht man dafür Mut?
Ich habe das nie so gesehen. Die Landminenkiste steht heute im Gebäude der Vereinten Nationen. Doch sie wäre ja dieselbe, wenn sie nicht dort, sondern bei mir zu Hause stehen würde. Es würden sie zwar weniger Leute sehen, aber das Objekt selbst würde sich nicht ändern. Wäre die Arbeit deswegen schlechter oder wäre ich deswegen weniger mutig?

Was heißt es für Sie, mit Ihrer Kunst erfolgreich zu sein?
Solange es für einen anderen Menschen hilfreich ist, ist es ein erfolgreiches Projekt. Das Monetäre darf mich nicht beeinflussen. Natürlich müssen auch Künstler von etwas leben, aber wenn ich Geld machen wollen würde, hätte ich nicht Philosophie studiert und würde keine Kunst machen. Eine Nonne wird ja auch nicht gefragt, ob sie von ihrem Beruf leben kann. Als Künstler wird man ständig nach dem Einkommen gefragt. Da muss man entweder begründen, warum man ausgerechnet mit Kunst Geld verdient, oder man ist kein richtiger Künstler, weil man nicht verkauft.

Sie beschäftigen sich mit dem Thema Geld. Wie kam es dazu?
Als ich für die Landminenkiste ein Honorar bekam, stellte ich fest, dass ich es bei einer Bank einzahlte, von der ich nicht weiß, ob sie die Waffenherstellung mitfinanziert. Damit hatte ich den Inhalt meines Projekts ad absurdum geführt. Also habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Eigentlich ist das ein tolles Geschenk für mich persönlich gewesen — ich setze mich endlich verantwortungsvoll mit dem Thema Geld auseinander und bin dann zur GLS Bank gewechselt.

Worum wird es in Ihrem nächsten Projekt gehen?
Um psychische Gesundheit. Die Inflation psychiatrischer Diagnosen und des Psychopharmakagebrauchs werden ebenso eine Rolle spielen wie die Inklusion der Betroffenen in den Arbeitsmarkt. Das passt nicht in eine Kiste, deshalb wird es eine Kistenserie werden.

www.shirin-homann-sadaat.com

Mitglied bei der GLS Bank zu sein macht Sinn. Warum, erfahren Sie im Interview mit den Wise Guys, einer deutschen Musikgruppe, die Anfang der 1990er-Jahre aus einer Kölner Schulband hervorging. Heute spielt die Band Konzerte vor bis zu 65 000 Menschen.

Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?
Nils Olfert
: Wir machen deutsche Popmusik und singen fünfstimmig a cappella. Unsere Texte sind auf Deutsch und damit sind wir bundesweit recht erfolgreich.

Sie setzen sich intensiv mit sozialen und ökologischen Themen auseinander. Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit?
Edzard Hüneke:
Wir haben alle einen Sinn dafür, dass es um mehr geht als nur um Profitmaximierung. Das Leben macht mehr Freude, wenn es auch um andere Werte geht. Deshalb sind wir im Moment im intensiven Dialog mit Vertretern der sogenannten Gemeinwohl-Ökonomie. Die Idee dahinter ist ein alternatives Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten aufgebaut ist und gerechter, fairer organisiert ist. Die Initiatoren haben das in ein System gebracht und bilanzieren Unternehmen nach bestimmten Kriterien. Mit dieser langfristigen Vision beschäftigen wir uns derzeit viel. Alle fünf Bandmitglieder sind interessiert daran, über den Tellerrand hinauszuschauen und Verantwortung zu übernehmen.

Strahlt das auch ins Private aus?
Marc Sahr:
Ich glaube, das kommt sogar daher. Wir sind alle in Elternhäusern groß geworden, bei denen der Blick darauf eine große Rolle gespielt hat.

Sie veranstalten viele Benefizkonzerte, waren kürzlich in Indien und haben ein Projekt besucht, das sie dort unterstützen. Welche Projekte fördern Sie und was treibt Sie dabei an?
Nils Olfert
: Die Einnahmen der Wohltätigkeitskonzerte geben wir als Spenden jeweils zur Hälfte an eine eher lokale und an eine internationale Einrichtung weiter. Wir arbeiten eng mit dem Hilfswerk MISEREOR zusammen, dessen Projekte wir langfristig unterstützen. Z.B. sind wir seit 2004 Schirmherren des Projekts „Butterflies“, das sich Straßenkindern aus Delhi widmet. Streetworker bieten den meist acht- bis zwölfjährigen obdachlosen Jungen rudimentären Schulunterricht auf der Straße an. Sie erhalten eine medizinische Grundversorgung und kochen in einer Art Suppenküche füreinander.
Und wir unterstützen „Path out of Poverty“ — ein Projekt in Südafrika, wo es um die Förderung und Versorgung von Kindern geht, deren Eltern Landarbeiter sind und häufig unter Alkoholismus leiden. Aber wir erhalten auch von anderen
Organisationen Unterstützungsanfragen.

Auch in Ihren Liedern spielt die Kluft zwischen Arm und Reich immer wieder eine Rolle.
Nils Olfert:
Das stimmt. Wir versuchen, diese Themen in unseren Songs aufzugreifen - wobei wir natürlich auch eine Band sind, die die Leute unterhalten will. Insofern muss in den Texten viel auch zwischen den Zeilen passieren, weil wir keine Vorlesung oder Belehrungsstunde halten wollen.

In einem Ihrer Songs heißt es: „Die Hoffnung bleibt, dass die Wirtschaft mal kapiert, dass sie nicht wachsen kann, wenn sie die Welt zerstört.“ Was glauben Sie, was gesundes Wachstum ist?
Marc Sahr:
Wenn ich mir anschaue, welche Entwicklung wir als Band gemacht haben - was die Anzahl der Konzerte angeht, der Zuschauer, aber auch den Umsatz -, haben wir die Erfahrung gemacht, dass Wachstum nicht alles ist. Wir haben uns sozusagen gesundgeschrumpft. Als wir noch alle keine Kinder hatten und sich das Leben nur um die Band drehen konnte, haben wir 150 Konzerte im Jahr gemacht. Mit unseren Familien haben wir neue Prioritäten gesetzt und die Zahl der Auftritte zurückgeschraubt. Entsprechend ist auch der Umsatz zurückgegangen, aber damit sind wir nicht unzufrieden - im Gegenteil. Es gibt anderes, was im Leben wichtiger ist als Wachstum und Profit. Wachstum ist ja auch inneres Wachstum. Und das ist für mich viel wichtiger als ein rein monetäres.

Bekommen Sie Rückmeldungen, dass Ihre Musik Veränderungen anstößt?
Edz ard Hüneke:
Wir bekommen sehr viele Rückmeldungen. Darunter auch sehr bewegende, die deutlich machen, wie viel unsere Musik und Texte den Menschen bedeuten. Für manche hat sie anscheinend auch lebensverändernde Qualitäten. Das ist nicht alltäglich, kommt aber immer wieder vor.

Nils Olfert: Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über die Dinge, die uns bewegen. Z.B. schreibt Eddie über seine Entscheidung, vegan zu leben. Den Antworten und Kommentaren darauf entnehmen wir, dass Menschen dies als Anstoß nehmen, sich näher mit den Themen zu beschäftigen. Insofern glaube ich schon, dass man auch als Band einen Einfluss haben kann und diesen auch nutzen sollte. Doch man muss verantwortlich damit umgehen.
 

Hier finden Sie das Video zum Interview