Bauckhof Stütensen

Arbeitsplatz und Lebensraum zugleich

„Wir gestalten Lebensraum, in dem Menschen mit und ohne Hilfebedarf zusammen leben und arbeiten können. Dafür wurde ein Verein gegründet, der Betreiber des Wohnbereichs und der Werkstätten ist“, beschreibt Reiner von Kamen, geschäftsführender Vorstand des Vereins und Werkstattleiter die Arbeit des Bauckhofs in Stütensen.

Bis 1969 war der Hof (neben zwei weiteren Höfen) Eigentum der Familien Bauck. 1969 wurde die gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft Sottorf gegründet, die seitdem Eigentümerin der Höfe ist. Spirituelle Grundlage der sozialtherapeutischen Arbeit ist das anthroposophische Menschenbild  Rudolf Steiners. Seine Anregungen aus dem „Landwirtschaftlichen Kurs“ beeinflussten die umfangreiche biologisch dynamische Landwirtschaft und die Gärtnerei.

Leben in Nachbarschaft

Auf dem Bauckhof Stütensen leben 45 erwachsene Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen und auch ein großer Teil der Mitarbeiter, rund 35, mit ihren Kindern. Für sie sind sieben unterschiedlich große Wohnhäuser gebaut worden.

Mitarbeiter sind auf der einen Seite professionelle Betreuer und Begleiter in allen Lebenslagen, auf der andern Seite sind sie aber auch Nachbarn, Freunde und Dorfbewohner. So entstehen gegenseitiger Austausch und Unterstützung. Neben den klassischen Hausgemeinschaften bietet der Bauckhof Stütensen mittlerweile die unterschiedlichsten Wohnformen an. Das Spektrum geht von Pflegestationen für die Betreuung von Schwerstmehrfachbehinderten bis hin zu Einzelapartments mit eigener Küche und Bad für Menschen mit geringerem Assistenzbedarf. Auch für Menschen, die in Partnerschaft leben möchten, gibt es Wohnmöglichkeiten. 

Die Gemeinschaft ist ein zentrales Element. „Wir wollten ursprünglich die Gemeinschaftsräume reduzieren“, erzählt Reiner von Kamen. „Wir dachten, die Menschen wünschen heute mehr Individualität, aber da haben wir uns geirrt. Das Bedürfnis nach Begegnung und Austausch untereinander ist sehr groß. Allerdings muss die Möglichkeit des Rückzugs und der Freizeit gewährleistet sein, sonst würde das Zusammenleben nicht funktionieren.“

Der Alltag auf dem Bauckhof Stütensen wird von Rhythmen bestimmt. Zum einen durch  die Notwendigkeiten in Land- und Gartenbau, durch den Jahreslauf und die Jahresfeste, aber auch im Tageslauf  durch die Aufteilung in Arbeits- und Freizeit. Die Mahlzeiten werden meist gemeinsam in kleinen Tischrunden eingenommen. Das gibt besonders den Menschen mit Behinderung den für sie oft wichtigen Rahmen und Halt.

Arbeitsplätze für alle Fähigkeiten

„Eine wesentliche Aufgabe des Bauckhofs ist nach wie vor, Arbeitsmöglichkeiten für die Menschen mit und ohne Hilfebedürfnis zu schaffen“, erklärt Reiner von Kamen. Zum Beispiel  in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in den angegliederten Werkstätten.

Im Jahre 2008 wurden die Arbeitsbereiche auf dem Hof, Landwirtschaft, Gärtnerei, Töpferei, Werkstube, Hauswirtschaft, Abpackwerkstatt und Geländepflege als Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) anerkannt. Im gleichen Zuge wurden zwei neue Werkstätten erbaut. In ihnen finden Menschen mit Hilfebedarf, die nicht oder nicht mehr in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten können, eine geeignete Tätigkeit.

Intensive Geschäftsbeziehung

Schon von Beginn an arbeitet der Bauckhof Stütensen mit der GLS Bank zusammen. Ernst Wilhelm Barkhoff, Gründer der GLS Bank, war einer der Initiatoren. Er beriet die Bauckhöfe bei der Suche nach geeigneten Rechtsformen. In den ersten Jahren war die Zusammenarbeit besonders intensiv. Zwei bis drei Mal im Jahr fanden Treffen statt, um über neue Entwicklungen, soziale und finanzielle Probleme oder über landwirtschaftliche Fragen zu diskutieren.

Der Bauckhof in Zukunft

Auf die Frage, welche Pläne es für die nächste Zeit gibt, nennt Reiner von Kamen gleich mehrere Projekte: „Umweltschutz: Erhaltung von aussterbenden Ackerpflanzen, Schaffung  von Tier- und artgerechten Haltungsformen; Einrichten besonderer Arbeitsplätze für Menschen mit Hilfebedarf;  Erweiterung der seit 27 Jahren gut funktionierenden Pflanzenkläranlage;  Bau einer Verarbeitungshalle für das Brennholz und Schaffung von zwei weiteren Wohnungen.“

Auch neue Entwicklungen im Zusammenleben greift der Bauckhof auf:  „Zusammen mit einem Kollegen koordiniert meine Frau die Fachstelle für Prävention von Missbrauch und Gewalt der Region Nord, vom Verband für Heilpädagogik, Sozialtherapie und sozialer Arbeit“, berichtet Reiner von Kamen.

Die eigentliche Aufgabe bleibt:  behinderten und nicht behinderten Menschen gleichermaßen Lernen, Wohnen und Arbeiten zu ermöglichen und aus den Anforderungen der Zeit der Erde, Pflanze und Tier Entwicklungsräume  zu schaffen.

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Fotos: GLS Bank Archiv