
Biologischer Gemüseanbau braucht biologisches Saatgut. Dass hier einmal ein Engpass entstehen könnte, erkannten bereits in den 80er Jahren einige engagierte demeter-Gärtnerinnen und –Gärtner. Sie schlossen sich zum Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau zusammen. Die Vermarktung des Saatgutes übernahm die Allerleirauh GmbH (Vertrieb der Bingenheimer Werkstätten). Aus ihr heraus entstand 2001 die Bingenheimer Saatgut AG in Echzell.
Schwerpunkt der Tätigkeit war von Anfang an der Vertrieb biologisch-dynamisch gezüchteter und entwickelter Sorten und damit die Erhaltung der Sortenvielfalt. Gentechnik und Hybridsorten kommen im wahrsten Sinne des Wortes nicht in die Tüte. Das Saatgut bezieht das Unternehmen bundesweit und aus angrenzenden europäischen Ländern von rund 80 gärtnerischen und landwirtschaftlichen Betrieben. Regelmäßig wird das Sortiment erweitert. Darunter sind Sorten mit solch wohlklingenden Namen wie Arola (Gurke), Rodelika (Möhre) und Helios (Buschbohne). Kunden sind vor allem Erwerbsgärtnereien und Jungpflanzenbetriebe, zunehmend aber auch Naturkosthandel und Hausgärtner/innen.
Anspruchsvolle Ziele
In der Kulturpflanzenentwicklung und Saatgutvermehrung sieht die Bingenheimer Saatgut AG eine Kulturaufgabe der Gesellschaft. Gesellschaftliche Verantwortung übernimmt sie auch in anderer Hinsicht. Seelenpflegebedürftige Menschen aus der Gärtnerei der Lebensgemeinschaft Bingenheim e.V. helfen bei ihr aus.
Ein Anliegen der AG ist auch die Weiterentwicklung sozialer Wirtschaftsformen. „Wir entwickeln unser Geschäft in einem intensiven Austausch mit den Züchtern und Saatgutvermehrern“, erklärt Geschäftsführerin Petra Boie. Auch gibt die Bingenheimer Saatgut AG nur vinkulierte Namensaktien heraus, das heißt, alle Aktionär/innen sind der Firma namentlich bekannt. „Wir alle möchten in erster Linie die Saatgutarbeit voranbringen.“

Harter Wettbewerb
Mit den Anforderungen an die Gemüseproduktion steigen auch die Anforderungen an das Saatgut, sei es bei der Saatgutgesundheit, bei der äußeren Qualität oder bei der Verarbeitung. Um auf dem deutschen Markt weiterhin den Platz als Qualitätsführer behaupten zu können, zieht die Verarbeitung im Juni 2008 in eine neue Halle. „Wir benötigen mehr Platz“, meint Petra Boie. „Zum einen, damit wir mehr produzieren können, zum anderen aber auch für weitere Maschinen, mit denen wir die Arbeitsabläufe effizient gestalten können.“
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