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GLS Bank stellt erstmals Branchenbericht „Freie und Alternativpädagogik“ auf der Grundlage neuester Daten und Fakten vor

15. Mai 2007

Bochum: Die ethisch-ökologische GLS Bank ist seit über 30 Jahren wegweisend im Bereich der Finanzierung von Einrichtungen der Freien und Alternativpädagogik. In diesem Zeitraum konnte sie sich ein gewachsenes, substantielles Kunden- und Mitarbeiternetzwerk sowie eine umfassende Marktübersicht und Expertenwissen aufbauen. Dieses Wissen möchte die GLS Bank durch die heute erschienene Studie weitergeben. Im Ergebnis attestiert die GLS Bank-Studie den Freien und Alternativschulen eine hohe Relevanz in der Bildungslandschaft und eine weiter steigende Bedeutung in der Zukunft, nicht zuletzt angestoßen durch die aktuelle Bildungsdiskussion.

Als Teilbereich der Schulen in freier Trägerschaft umfasst die Studie alle allgemeinbildenden Schulen, die sich durch alternative pädagogische Ansätze und relativ große Mitspracherechte und Einflussmöglichkeiten der überdurchschnittlich engagierten Eltern auszeichnen. 

Ein Ergebnis der Studie ist, dass etwa ein Viertel der mehr als 500 vorhandenen Schulen allein im Verlauf der vergangenen vier Jahre entstanden sind. Gleichwohl kann die in den letzten Jahren weiter gestiegene Elternnachfrage nach alternativen Bildungskonzepten bei weitem nicht befriedigt werden

Die Ursache für das unzureichende Angebot ist allerdings nicht auf Seiten der Schulinitiativen zu suchen. Im Gegenteil – die GLS Bank attestiert den privatwirtschaftlichem Risiko ausgesetzten Schulen vorbildlichen Gründerelan und beispielhaft praktiziertes Bürgerengagement. Die meisten Schulen werden von Eltern initiiert. Mehr als jeder vierte Geschäftsführer arbeitet ehrenamtlich. Die Lehrerschaft nimmt, trotz zusätzlichen Qualifizierungserfordernisses z.B. in Form des Waldorflehrerseminars, deutliche Gehaltsabschläge in Kauf. Laut den Ergebnissen der Studie erreicht das durchschnittlich bezahlte Gehalt lediglich ein Niveau von 86 Prozent des BAT-West in den alten und 82 Prozent des BAT-Ost in den neuen Bundesländern.

Durchschnittlich einer von fünf Schülern, die von ihren Eltern an einer privaten Montessori-, Waldorf-, Freien Alternativschule oder sonstigen Institution der Branche angemeldet werden, bekommt keinen Platz – und das, obwohl die Eltern bereit sind, ein stattliches Schulgeld von teils mehr als €130,- pro Monat zu bezahlen. Der „Nachfrageüberhang“ beträgt zurzeit rund 20% und ist u.a. als Ergebnis der PISA-Studien und des damit gestiegenen Bewusstseins für das Thema Bildungsqualität zu werten.

Werner Landwehr, Leiter der Kreditabteilung der GLS Bank, führt aus, dass sich die Branche der Freien und Alternativpädagogik dennoch weiter positiv entwickeln wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der Anteil an Schülerinnen und Schülern, die Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland besucht, mit 6,7 % noch weit unterdurchschnittlich ist. Im Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 15,1%. In den Niederlanden z.B. gehen über 76% der Kinder in entsprechende Schulen, in Großbritannien immerhin noch deutlich über 40%.

Zudem kommt die Studie des Autors Christof Jauernig zu dem Ergebnis, dass die Privatschulen weiter und in hohem Ausmaß ihre Bildungs- und Dienstleistungsangebote quantitativ und qualitativ ausweiten wollen. Dies führt zu zusätzlichen Angebotsbeständen.

Verantwortlich für die nicht ausreichende Deckung der vorhandenen Nachfrage, so die Studie, sind nicht zuletzt die nicht sehr „gründungsfreundlichen“ staatlichen Rahmenbedingungen und der Fördergesetzgebung der Länder. In der Studie wird vor allem das Fehlen eines „fairen Preises“ bei der Zugrundelegung vergleichbarer staatlicher Schülerkosten bemängelt. Im Ergebnis heißt das, dass die staatlichen Zuschüsse zu niedrig bemessen sind und es zudem lange dauert, bis staatliche Zuschüsse einsetzen. Auch hier zeigt der Blick auf europäische Nachbarländer, dass z.B. Freie Schulen in den Niederlanden deutlich günstigere Rahmenbedingungen vorfinden. Angesichts insgesamt unzureichender und zwischen den Bundesländern zudem stark abweichender gesetzlicher Rahmenbedingungen plädiert die GLS Bank für eine bundesweite Harmonisierung der Regelungen zur Genehmigung und Finanzierung von Ersatzschulen.

Trotz dieser Rahmenbedingungen teilt die GLS Bank-Studie die Zuversicht der Schulen, die in vier von fünf Fällen von einer positiven Entwicklung der eigenen Anmeldezahlen innerhalb der nächsten fünf Jahre ausgehen und in großer Zahl Ausweitungen ihres Dienstleistungsangebots geplant haben. Spielraum für Verbesserungen sieht die Studie u.a. im Bereich des systematischen Fundraisings und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die von den Schulen noch unzureichend betrieben wird. Vor allem etablierte Schulen verschenken auf dem Gebiet des Fundraisings nachweislich Potential zur Erhöhung ihres Spendenaufkommens. Ein weiterer Kritikpunkt der Studie ist das unzureichende gegenseitige Wahrnehmen der Freien und Alternativschulen untereinander.

Als Quellen des Berichts dienten einerseits umfassende Interviews und Expertengespräche, aber auch eine Primärdatenerhebung in Form von Fragebögen, etwa an ca. 200 Vorstände und Geschäftsführer von knapp 500 Schulen. Dabei wurde eine sehr gute Rücklaufquote von rund 40% erreicht.

Der „Branchenbericht Freie und Alternativpädagogik“ ist seit heute erhältlich, umfasst 109 Seiten und kann über die GLS Bank, Postfach 10 08 29, 44708 Bochum, gegen eine Schutzgebühr von € 45,- bezogen werden. 

Pressekontakt:
Christof Lützel
Pressesprecher/Leiter Öffentlichkeitsarbeit
GLS Bank
Christstr. 9
44789 Bochum
Tel.: (0234) 57 97 178
Fax: (0234) 57 97 157
Mobil: (0173) 2 78 69 63